Käffchen gefällt? Caffenol – Filmentwicklung mit Kaffee & Vitamin C

Die Entwicklung von Filmnegativen bietet dem Fotografen ein Maxmimum an künstlerischer Freiheit. Chemische Entwickler sind hier essentiell für die Verarbeitung. Doch es geht auch anders – mit einfachsten Zutaten aus dem Haushalt. Hier eine kurze Anleitung & Ergebnisanalyse.

Mittlerweile habe ich mich in die handwerkliche Entwicklung der Negative etwas eingearbeitet. Der Suchfaktor ist, wie erwartet, hoch, die schier unendliche Kombinationsvielfalt von Entwickler, Verdünnung, Film, und Entwicklerzeit ist beeindruckend. Nach einiger Zeit stieß ich im Internet auf eine alternative Entwicklungsmethode, das sogenannte Caffenol. Im Gegensatz zu herkömmlichen chemischen Entwicklern wie etwa Rodinal oder Tetenal besteht Caffenol komplett aus simplen Zutaten aus dem Haushalt, wesegen es sich auch zu den sogenannten alternativen Entwicklern zählt.

Was wird benötigt?

Alles Zutaten sind im Super- oder Drogeriemarkt für wenig Geld erhältlich. Wir brauchen folgendes:

Eine Packung Instantkaffee oder Kaffeepulver
Eine Packung Waschsoda (Natriumcarbonat)
Eine kleine Dose Vitamin C (Ascorbinsäure)
Normales Leitungswasser
Ein kleines Thermometer (Das Wasser sollte etwa 20°C haben)
Eine kleine Waage
Einen Meßbecher oder Behälter zum Mischen
Entwicklerdose, Fixierer usw.

Instantkaffee ist dem Pulver vorzuziehen, da dieser sich leichter lösen lässt. Egal ob Bröckchen oder Pulver, immer den günstigsten Kaffee kaufen, wir brauchen lediglich die Kaffeesäure und legen keinen Wert auf vollmundiges Aroma! Waschsoda gibt’s in jedem Supermarkt für etwa einen Euro die Packung. Am besten in Pulverform kaufen. Eine kleine Dose Vitamin C gibts in jeder Apotheke als Nahrungsergänzung für etwa 2,50€.

Wirkstoffe

Entwickeln mit Kaffee? Und wieso überhaupt Vitamin C? Hört sich alles erstmal lustig und abgedreht an, die Zutaten haben jedoch alle eine besimmte Wirkung. Die Säure im Kaffeepulver ist im Prinzip derselbe Wirkstoff wie der eines chemischen Entwicklers, das Soda dient als pH-Regulator der Lösung. Das Vitamin C, eigentlich eine optionale Zutat, beschleunigt die Entwicklungszeit und erhöht den Kontrast auf den Negativen. Außerdem entfärbt die Ascorbinsäure die Negative, da Kaffee eine tönende Wirkung (Braunstich) hat.

Vorbereitungen

Wir säubern wie gewohnt unsere Arbeitsfläche und stellen alle Zutaten bereit. Zum Abwiegen der Mengen empfiehlt sich eine kleine Küchen- oder Feinwaage. Oftmals findet man im Netz Mengenangaben in Tee- oder Esslöffeln, wodurch uns die exakte Reproduzierbarkeit aber verloren gehen würde, weswegen wir auf die exakten Angaben in Gramm aus Reinholds Blog zurückgreifen. Außerdem brauchen wir einen Messbecher zum Abmessen der Wassermenge und zum Lösen der Zutaten.

Eine Feinwaage hilft enorm beim Abwiegen. Meine Küchenwaage misst nur in ganzen Gramm-Schritten, was mir deutlich zu unsicher ist.

Wie auch bei der Entwicklung mit chemischen Entwicklern brauchen wir sowohl für die Arbeitslösung, als auch zum Fixieren, sowie zum Zwischen- und Schlusswässern Wasser mit einer Temperatur von etwa 20°C. Mein Tip: Statt in einem Kanister mühevoll Warm- und Kaltwasser zu mischen, selbigen einfach ein paar Stunden vorher randvoll füllen und bei Raumtemperatur stehen lassen. Die Temperatur pendelt sich dann von allein bei etwa 20°C ein.

Ansetzen der Arbeitslösung

Ich richte mich bei der genauen Zusammensetzung des Entwicklers nach den Mengenangaben von Reinholds Blog (siehe unten). Für eine Menge von 500ml Entwicklerlösung lösen wir also nacheinander erst Soda, dann Vitamin C und anschließend den Kaffee im 20°C-Wasser. Vor allem der Kaffee braucht ein paar Minuten um sich vollständig zu lösen, also fleißig rühren! Die Mengenverhältnisse der Zutaten richten sich nach dem Verfahren des Entwickelns, Angaben gibt es weiter unten im Artikel.

Die Zutaten sollten dem Wasser immer in obiger Reihenfolge zugegeben werden, um eine möglichst homogene Lösung zu erhalten und eine Bildung von Klümpchen zu vermeiden.

Ich habe für den ersten Film eine Standentwicklung gewählt. Hierfür habe ich den Entwickler stark verdünnt, 8g Soda und etwa 20g Kaffee reichen aus. Die angegebene Menge von 5g Vitamin C habe ich absichtlich etwas unterschritten, da ich den Film bewusst etwas braunstichig entwickeln wollte. Bei der Standentwicklung wird nun, im Gegensatz zur herkömmlichen Kippentwicklung, lediglich am Anfang gekippt – etwa 10 mal. Danach wird die Dose zum Lösen von kleinen Bläschen, die sich sonst am Film festsetzen und den Prozess der Entwicklung beeinträchtigen könnten, auf der Arbeitsfläche aufgeschlagen und für eine gute Stunde in Ruhe stehen gelassen.

Der Rest der Entwicklung erfolgt wie gewohnt: Zwischenwässerung, Fixieren, Schlusswässerung.

Das Ergebnis

Nach dem Trocken habe ich die Negative zerschnitten und in Pergaminfolie einsortiert. Hier ein erstes Ergebnis eines Scans mit 1600 dpi auf dem CanoScan 5600F:

Die Bilder haben durch den Kaffee, wie erwartet, einen leichten Braunstich. Schärfe und Kontrast überzeugen, und das Korn ist gleichmäßig und relativ fein. Die Qualität habe ich für’s Web etwas heruntergeregelt.

Fazit

Das Gepansche mit den Haushaltsmitteln macht wirklich Spaß. Die Zutaten sind günstig zu kriegen, das Ansetzen der Arbeitslösung ist einfach und schnell geschehen. Die ganze Suppe ist im Gegensatz zu etwa Agfa Rodinal völlig ungefährlich und kann einfach in den Ausguss gekippt werden. Die Ergebnisse sind beeindruckend und brauchen sich vor Bildern mit chemischen Entwicklern absolut nicht verstecken. Durch eine Variation der Vitamin C-Menge kann die Sepiatonung direkt beeinflusst werden, was eine große Gestaltungsfreiheit erlaubt. Ich werde wohl bald mal wieder einen Film in Caffenol entwickeln!

Wissenswert

Reinholds Caffenol-Blog. DAS Kompedium rund um den alternativen Entwickler!

Weiterführend

Rund um Eggolsheim – Teil 3: Canon AE1 Program & Caffenol

Unterwegs in Nürnberg: Yashica 35 GSN

Schwarzweiss-Negativ-Entwicklung: Erster Versuch & Anleitung

Kommentare

Markus sagt:

Sehr interessant, ich glaube bei kwerfeldein gab’s schon mal einen Artikel über die Kaffeeentwicklung 🙂
Schön geschrieben und die Ergebnisse wissen wohl auch zu überzeugen!

Sebastian Lock sagt:

Ja richtig, den habe ich auch gelesen!

Bin aber hauptsächlich über unser DSLR Forum darauf gestoßen, damals hat Reinhold iwo sein Blog präsentiert, und irgendwo geistern auch noch alte Threads zu alternativen Entwicklern rum, da musste ich das einfach mal probieren 😀

Werde die Tage mal eine Serie der Bilder zusammenstellen.

[…] allem geprägt durch meine ersten Erfahrungen im Bereich der analogen Fotografie, die ich hier und hier festhalte. Außerdem mein erster selbstentwickelter Film überhaupt. Blut geleckt, es soll der […]

Sarah sagt:

Hallo, ich bin nach langer Recherche über deinen Eintrag “gestolpert” ^^ – das hört sich ja super an und die Bilder sind gelungen. Ich würde gerne ein Fotolabor in der Grundschule einrichten und da wäre dieser Entwickler natürlich eine super Alternative zu dem anderen giftigem Zeug. Kann man das auch für das lichtempfindliche Fotopapier verwenden..also zum entwickeln von Fotogrammen und Fotos von der Lochkamera? Über eine Antwort würde ich mich freuen!

Sebastian sagt:

Hallo Sarah, freut mich wenn dir der Eintrag gefällt! Also zuerst einmal, ich kenne mich selbst NICHT mit der Entwicklung von Papier aus, da ich ja lediglich Negative entwickle und diese dann digitalisiere.

Ich habe mich aber mal ein wenig für dich schlau gemacht und folgendes gefunden:

Fotopapiere entwickeln mit Caffenol ist definitiv MÖGLICH, schau dazu mal hier:

http://www.hobbyphoto-forum.de/t8518f66-Cafenol-wie-geht-das-3.html

http://www.flickr.com/photos/alex1976/717795459/in/set-72157600678985004/

http://www.flickr.com/photos/alex1976/734960689/in/set-72157600678985004/

http://cafeconpapel.wordpress.com/2011/11/23/dia-de-los-santos/

Vielleicht hilft dir das etwas weiter. Trotzdem sei gesagt, dass du auch mit Caffenol nicht ganz auf herkömmliche Chemie verzichten kannst, da du ein chemisches Fixierbad brauchst. Ist zwar glaube ich nicht hochgiftig, aber eben nicht gesund. Was dich, gerade für die Kinder in der Grundschule, vielleicht auch interessieren könnte, ist Solar-Fotopapier:

http://astromedia.eu/Bastelspass-der-Wissen-schafft/Das-Solar-Fotopapier::88.html

Hier ist halt die Wirkung ein wenig anders, dafür funtkioniert das komplett ohne Chemie, nur mit Leitungswasser.

Hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.
Seb

Sarah sagt:

Hi,
DANKE für deine Antwort…habe es heute mal ausprobiert (habe die ganze Sache etwas höher dosiert nachdem ich noch etwas recherchiert habe) und es klappt ohne Probleme. Danke für deine Antwort…Solarfotopapier kenne ich aber ich finde gerade die Arbeit im Labor so spannend für die Kids 🙂 Bin super zufrieden mit dem Ergebnis…morgen wird es mit Lochkamerabildern versucht…erwarte da aber keine Probleme … wie gehabt…noch ein mal DANKESCHÖN!

Sarah sagt:

achso…hat auch nur etwa 10 Sekunden gedauert, bis das Fotogramm fertig entwickelt war…also fast genauso gut wie mit der Chemikeule 😉

Sebastian sagt:

Wow, das freut mich zu hören! Dann wünsch ich dir und den Kids viel Spaß beim experimentieren! Vielleicht kannst du ja mal ein Ergebnis zeigen, das würde mich auch interessieren. Könnte mir das auch gut selbst für Handabzüge vorstellen.

[…] 10. Fotos und Negative entwickeln Eine Tatsache, die mich wirklich überrascht hat. Mit Kaffee und Vitamin C kann man Fotos und Negative entwickeln. Die Bilder bekommen einen sehr interessanten Ton (nicht wirklich Sepia, aber auch nicht braun) und einen wunderschönen Kontrast. Ich vermute mal, dass das auch weitaus billiger und umweltfreundlicher als gewöhnlicher Entwickler, Fixierer und Stopper ist. Eine spannende Anleitung findet ihr hier. […]

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