5.01.2011
Warum eine Festbrennweite besser ist. Immer.

Festbrennweiten sind eine Welt für sich. Hier einige Überlegungen dazu, meine Erfahrungen, Vor- und Nachteile.

Meine erste Spiegelreflexkamera war eine Canon EOS 350D mit dem Kitobjektiv EF-S 18-55mm f/keine Ahnung mehr. Die digitale SLR-Fotografie steckte damals noch weitestgehend in den Kinderschuhen. Diese wuchtigen Teile, das war doch nur was für Profis. Erst nach und nach wurden abgespecktere Systeme auch für Hobbyknipser erschwinglich. Wie schon von einigen kompakten Digitalkameras bekannt war das Standard-Zoomobjektiv die Linse der Wahl für mich.

Nah oder fern, Closeup oder Panorama, alles mit einem einzigen Objektiv, genial, das ist die Zukunft! Eine ganze Zeit lang war ich vollends zufrieden mit dem mir möglichen Brennweitenbereich. Gibt ja auch nichts zu meckern, die Bilder sind toll, angeschaut wird ja nur am PC, hier und da mal ein Ausdruck auf DIN A4. Außerdem macht ja der Fotograf das Bild und nicht die Kamera. Blabla…

Nach ein paar Jahren wollte ich mich in meinem lieb gewonnenen Hobby etwas weiterentwickeln, also musste es eine gebrauchte EOS 40D sein. Die Canon EF-S Objektive sind mit allen Kameras kompatibel – Juhu! Und was die 40D kann: Der große Sucher, der treffsichere Autofokus, die ungeschlagene Serienbildfunktion, wow! Viele viele Bilder habe ich geschossen. Irgendwas fehlte mir aber so langsam – der letze “Kick” des Bildes. Intensiv habe ich Foren und Fotocommunities durchforstet, wie kriegen die anderen ihre Bilder so hin? Diese Farbe, diese überragende Schärfe, das kann doch nicht nur an der Kamera liegen?

Trotz intensiver Nachbearbeitung am Computer – MEINE Bilder sahen nicht so aus. Lange habe ich gesucht, irgendwann habe ich dann, natürlich gebraucht, meine erste Festbrennweite gekauft, ein EF 85mm f/1.8. Doch was bringt mir die überhaupt? nur EINE Brennweite, wie soll ich denn da gescheite Bilder machen? Naja, ausprobieren kann ich das ganze ja mal.

Hm, liegt ganz schön leicht in der Hand, so eine “Festbrennweite”. Fühlt sich trotzdem wertig an. Durch den Wegfall zusätzlicher Linsen für den Zoommechanismus ist das Gewicht von Festbrennweiten gegenüber Zoomobjektiven eher gering. Oha, das überrascht mich allerdings: Nach einigen Tests an beiden Kameragehäusen (“Bodies”) kann ich plötzlich scharfe Bilder vorweisen. Nein, nicht scharf wie normal scharf, wie vorher mit dem Kit-Objektiv, sondern RICHTIG scharf, knackscharf, auch beim reinzoomen auf 100%.

Komisch. Das Bilder meiner neuen Festbrennweite ist bei 85 Millimetern eindeutig schärfer als das eines Zoomobjektives bei ebenfalls 85 Millimetern. Wie geht denn das? Durch eben die Reduktion auf nur eine Brennweite kann die Feinmechanik perfekt abgestimmt und feinjustiert werden. Deswegen SIND Bilder von Festbrennweiten in der Regel schärfer als Bilder von Zoomobjektiven. Außerdem sind sie lichtstärker, erlauben also mehr Available-Light-Fotografie, weniger Schärfentiefe und schöneres Bokeh. Ich war sofort begeistert. Genaus DAS habe ich gesucht! Aber ich kann nichtmehr zoomen, verdammt. Mit der Zeit gewöhnte ich mich allerdings an diese für mich neue, ursprünglich aber ja die eigentliche, Art zu fotografieren.

Wo ich früher mit allen möglichen Brennweiten jedes Motiv von nah und fern, rechts und links, hunderte Male abgelichtet habe (ich möchte ja keine Situation verpassen!), schaue ich heute genauer hin. Ich setze mich nun mehr mit dem zu formenden Bild auseinander. Farbwirkung, Komposition, Schärfentiefe, all das will mit einer Festbrennweite sorgsam gewählt sein, einfach am Ring drehen ist nicht. Wo ich früher den Ausschnitt per Zoom auf meine Bedürfnisse anpasste, passe ich mich heute selbst an die Umgebung an. Ich will eine Nahaufnahme von einem Objekt? Tja, dann muss ich wohl näher ran. Geht nicht? Schade. Moment – da fällt mir doch gerade eine andere interessante Komposition ein.

So in etwa fühlt sich das Fotografieren mit einer Festbrennweite an. Weg vom Knipsen (“is ja eh digital, ich mach paar mehr, wenns nichts is’, lösch ich’s halt wieder…”), hin zum Handwerk Fotografie. Abgesehen von den ultramodernen Bodies natürlich, aber das ist Stoff für einen anderen Artikel. Natürlich ist es nicht immer so einfach wie oben beschrieben, so ganz auf Zoom verzichten fällt hier und da freilich schwer. Kommt aber auch auf die Situation an.

Für meine Bedürfnisse sind Festbrennweiten zu 90% ausreichend, allerdings würde ich auf keinem Event wie zum Beispiel einer Hochzeit ausschließlich auf ebendiese angewiesen sein wollen. Wir fassen zusammen: Festbrennweiten sind schärfer, leichter, eine Welt für sich. Wer sich damit arrangiert wird sie lieben – und nicht mehr hergeben!

6 Comments

  • Nico says:

    Lehrreicher Beitrag. Cool, wenn man das Thema auch mal aus einer anderen Perspektive betrachten kann.

  • Courtney Martini says:

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  • Markus says:

    Schöner Artikel, einfach und interessant geschrieben 🙂

    Werde mal ein bisschen in deinem Blog rumwühlen wenn ich Zeit habe, gefällt mir gut!

  • ben says:

    Schöner Bericht, verständlich und simple. Ich selbst verwende nur noch Festbrennweiten, wenn man 2-3 immer dabei hat kann man variieren 😉 fast wie beim Zoom!

  • Raul says:

    Momentan bin ich ja auch nur im Besitz zweier Zoomobjektive. Jedoch ist mir auch schon aufgefallen, dass bei einigen Brennweiten die Schärfe nicht hundertprozentig da ist, egal wie viel Mühe sich man mit dem Fokussieren gibt…

  • Gerti says:

    Genau so isses …Ich habe mittlerweilen meine dritte Festbrennweite und ich liebe sie alle drei…Zomm-Objektive habe ich , muss ich auch haben , sind sehr wichtig….Ist bei mir genauso wie du es beschrieben hast…
    Toll geschrieben…Sehr guter Artikel…
    LG Gerti

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