15.02.2011
Was denn nun? RAW vs. JPEG – Ein kleiner Vergleich

Mit einer digitalen Spiegelreflexkamera stehen dem Fotografen alle Möglichkeiten offen, sich kreativ auszuleben. So weit so gut, doch was hat es denn nun mit den Dateiformaten der Bilder auf sich? Was bringt eigentlich ein “RAW”? Wieso nicht das Motiv direkt als JPEG-Bilddatei aufnehmen? Hier ein kleiner Vergleich, Vor- und Nachteile beider Formate und meine Erfahrungen beim Fotografieren.

Zuerst einmal sollten wir uns die beiden Formate getrennt voneinander ansehen.

Das JPEG – Der Klassiker

JPEG oder JPG ist das wohl am häufigsten genutzte Bildformat. So gut wie jedes Gerät und Programm kann mit dem JPEG arbeiten, die Dateien sind klein und gleichzeitig von hoher Qualität. Im Netz ist das JPEG das Format der Wahl. Grund dafür ist der effektive Kompressionsmechanismus, durch welchen die Größe einer JPEG-Datei ohne merklichen Qualitätsverlust erheblich reduziert werden kann. Gute Qualität bei kleiner Dateigröße – das JPEG ist also das optimale Format fürs Web.

Wer ist eigentlich dieser RAW?

Als “Raw” (engl. raw “roh”) bezeichnet man das Dateiformat, in welchem die Kamera ein Bild unmittelbar nach der Digitalisierung der auf dem Sensor aufgenommenen Daten abspeichert. Einfacher: ein RAW ist ein digitales Negativ und beinhaltet somit alle aufgenommenen Informationen des Bildes. Dadurch erklärt sich auch die Dateigröße: Ein RAW aus z.B. meiner 5D Mark II hat gut 30MB.

Wo genau liegt der Unterschied?

Direkt im Menü der Kamera kann das Dateiformat, in welchem die Bilder gespeichert werden sollen, bestimmt werden. Mein Gedankengang zu Anfang war folgender:

“JPEG ist kleiner, ich kriege mehr Bilder auf die Karte, die Bilder sehen trotz unterschiedlicher Formate sowieso gleich aus, JPEG kann ich außerdem direkt am PC anschauen und verschicken.”

Nun, das stimmt schon alles so, trotzdem änderte ich nach einiger Zeit meine Einstellung bezüglich des Formates, dazu gleich mehr. Was sind nun aber die Unterschiede zwischen JPEG und RAW, bezogen auf die Fotografie? Dazu muss man erstmal folgendes wissen: Speichert man ein Bild in der Kamera als JPEG, werden die aufgenommenen Rohdaten mit bestimmten Einstellungen zu einer fertigen Bilddatei komprimiert, dem JPEG eben. Diese Einstellungen, wie zum Beispiel der Weißabgleich, die Bittiefe, Schärfe und Kontrast sowie weitere, können im Menü der Kamera manuell geregelt werden. Zusätzlich erlauben die meisten Kameras die Verwendung vorgefertigter Motivprogramme, sozusagen verschiedene Kombinationen ebendieser Einstellungen.

Ein JPEG, welches aus der Kamera kommt, ist also eine komprimierte, mit bestimmten Einstellungen versehene Rohdatei. Durch die relativ wenigen gespeicherten Informationen ist eine JPEG-Datei recht handlich und meist nicht größer als wenige Megabyte.

Das RAW hat im Gegensatz dazu, wie schon angesprochen, alle Informationen gespeichert und die verschiedenen Einstellungen können nachträglich am Computer nach belieben bearbeitet werden. Hier liegt allerdings auch ein weiterer Nachteil (neben der enormen Dateigröße): Ohne ein externes Bearbeitungsprogramm geht hier nichts. Jeder Kamerahersteller kocht sein eigenes RAW-Süppchen, und so ist die Anzahl der verschiedenen RAW-Formate fast unüberschaubar. Klar, dass der Computer von Haus aus damit nichts anfangen kann. Hierfür gibt es spezielle Programme wie zum Beispiel Lightroom von Adobe oder Aperture von Apple. Diese Programme sind in der Lage, fast alle Formate zu lesen und zu bearbeiten.

Der Unterschied liegt also in der Bearbeitung, oder besser, in den Möglichkeiten der Bearbeitung.

Aufgrund der Tatsache, dass ein JPEG bereits komprimiert ist und keine zusätzlichen Bildinformationen mehr enthält, halten sich hier die Möglichkeiten einer nachträglichen Bearbeitung in Grenzen. Helligkeit, Kontrast, und Sättigung können noch ziemlich gut korrigiert werden, alles andere verschlimmbessert das Ergebnis oft nur. Bei einem RAW hingegen gibt es solche Einschränkungen nicht. Neben obigen Grundeinstellungen kann so ziemlich alles angepasst werden. Farbtemperatur, Belichtungszeit, einzelne Farbkanäle, deren Sättigung und Dynamik und so weiter – alles kein Problem.

Ist ja alles ganz nett, aber wie sieht das in der Realität aus?

Um euch nicht nur mit trockenen Tatsachen zu langweilen, wollen wir uns nun mal ein paar Bildbeispiele ansehen und beide Dateiformate direkt miteinander vergleichen.

Hier sehen wir ein etwas verhauenes RAW-Bild, welches ich mit den Originaleinstellungen als JPEG exportiert habe.

Das Licht ist hier ziemlich anspruchsvoll, außen die grelle Sonne, im Inneren nur wenig Licht. Theoretisch ist das Bild ein Fall für den Papierkorb, oder? Sehen wir uns ein bearbeitetes JPEG an. Hierfür habe ich das obige JPEG erneut in Lightroom importiert und versucht das Beste daraus zu machen.

Helligkeit anpassen, Kontrast korrigieren, viel mehr ist auch nicht drin. Im JPEG ist Weiß nun mal Weiß, hier hilft auch die beste Bearbeitung nichts mehr. Allzu viel war von dem Bild nicht mehr zu retten. Sehen wir uns denselben Optimierungsversuch mal bei der RAW-Datei an. Hierfür habe ich direkt das RAW bearbeitet und anschließend wieder als JPEG exportiert.

Belichtung korrigiert, Temperatur leicht angepasst, Kontraste, Helligkeit und Schärfe leicht abgeändert, so wird aus dem vermeintlichen Datenmüll doch noch ein recht ansehnliches Bild. Extrem überstrahlte Bereiche lassen sich auch im RAW nicht mehr retten, aufgrund der in der Datei enthaltenen Informationen lässt sich aber, im Gegensatz zum JPEG, ein einigermaßen realistisches Bild konstruieren.

Ein weiteres Beispiel:

Vor allem nachts kämpft man als Fotograf oft mit der spärlichen Beleuchtung auf der Straße. Dieses Bild ist, abgesehen von der Mauer, welche von einer Laterne beleuchtet wird, viel zu dunkel geraten. Sehen wir uns zuerst wieder den Optimierungsversuch mittels JPEG an.

Der Vordergrund sieht ziemlich gelungen aus. Klar – der war ja schon vorher akzeptabel. Der Hintergrund ist allerdings verloren. im JPEG ist eben auch Schwarz lediglich Schwarz, da hilft auch Aufhellen nichts mehr. Anders sieht das ganze beim RAW aus.

Das Bild konnte ich in Lightroom nahezu vollständig wiederherstellen. Der Hintergrund wirkt nun natürlich beleuchtet, eben so, wie man die Szene auch mit dem Auge wahrnehmen würde.

Immernoch nicht überzeugt?

Hier kommen noch zwei absolute Härtefälle. Sehen wir uns zunächst das Ausgangsmaterial an, so wie es mit der Kamera festgehalten wurde.

Ein ganzes Bild voll von sattem Schwarz. Schick oder?

Nun ja, eigentlich sollte noch etwas anders zu sehen sein, nur was? Sehen wir uns nun im nächsten Abschnitt parallel JPEG und RAW dazu an.

Beide Versionen wurden wieder nach bestem Wissen und Gewissen optimiert.

Ahja richtig, Benny, unser Hund. Darauf wäre ich nicht gekommen :D. Links sehen wir das JPEG, Helligkeit einfach auf Anschlag gedreht. Tatsächlich waren im (fast-)Schwarz noch einige Informationen enthalten, so dass wir wenigstens das Motiv erkennen können. Das war’s aber auch schon, denn schön ist was anderes. Jegliche Zeichnung und Farbübergänge sind verloren. Da sehe ich mir doch lieber die rechte Version an – das RAW. Viel deutlicher kann man den Unterschied wohl nicht mehr darstellen. Nach der Bearbeitung und Anpassung der im RAW vorhandenen Daten sehen wir ein fast schon “normales” Bild. Klar, die Schärfe ist grausam und die Farben nicht gerade leuchtend; verglichen mit dem ursprünglichen Bild (wenn man es denn so nennen mag), ist das Ergebnis aber absolut überzeugend.

Sehen wir uns noch ein letztes Beispiel an:

Sehr schön, dieser Minimalismus. Eigentlich sollte hier ein Verließ aus dem Lochgefängnis in Rothenburg zu sehen sein. War wohl nichts. Vielleicht können wir ja noch was retten, sehen wir uns zuerst das JPEG an.

Auch mit viel Fantasie ist auf dem JPEG wohl nicht viel zu erkennen. Im Gegensatz zu dem vorherigen Bild sind hier fast gar keine Informationen mehr vorhanden, aus denen sich ein Bild rekonstruieren ließe. Dunkle Grautöne werden lediglich aufgehellt und eingefärbt. Hier dasselbe Bild aus dem RAW-Format entwickelt:

Na das sieht doch schon besser aus. Wiederum sind Schärfe und Kontrast alles andere als perfekt, aber immerhin kann die Datei nun als “Foto” durchgehen. Das extrem hohe Rauschen ist auf die verwendete ISO-Einstellung, also die “digitale Filmempfindlichkeit”, mit der das Bild aufgenommen wurde, zurückzuführen.

Ein Fazit

Die Vorteile des RAW-Formates sind also mehr als eindeutig, doch der Fairness halber fasse ich Vor- und Nachteile beider Dateiformate zusammen:

Das JPEG

+ Kompakte Dateigröße
+ Einfache Handhabung
+ Keine weitere Konvertierung nötig
+ Hohe Serienbildgeschwindigkeit

– Informationen komprimiert
– Bearbeitung nur grob möglich

Das RAW

+ Alle Informationen vorhanden
+ Maximale Bearbeitungsfreiheit
+ “Retten” verlorener Bilder möglich

– Serienbildgeschwindigkeit niedrig
– Dateien extrem groß
– Externes Programm nötig
– Konvertierung für’s Web nötig

Beide Formate haben also ihre Vorzüge. Im Prinzip ist die Wahl Geschmackssache. Ich für meinen Teil bevorzuge das RAW, da ich großen Wert auf die nachträgliche Bearbeitung am Computer oder zumindest deren Möglichkeit lege. Letztlich sollte jeder Fotograf zumindest einmal beide Formate ausprobiert haben, bevor er sich festlegt. Wer partout keine Seite wählen will, kann natürlich ein Bild auch simultan als JPEG und RAW aufnehmen. Diese Variante habe ich auch zu Anfang gewählt, jedoch schnell gemerkt, dass die JPEG’s nur auf der Festplatte verstauben. Nachdem ich im Anschluss an eine Session die Daten sofort in Lightroom importiere, sind JPEG’s für mich überflüssig.

Ich hoffe, ich konnte alle Interessierten mit diesem Artikel ein wenig aufklären und die Neugier bezüglich der Fotografie im RAW-Format wecken. Kommentare und Fragen sind wie immer erwünscht.

3 Comments

  • Markus says:

    Schöner Artikel, der im Prinzip genau meine Meinung bzw. meine Vorgehensweise widerspiegelt – die ersten Monate habe ich parallel RAW + JPEG aufgenommen… mittlerweile aber nur mehr RAW.

    Ich möchte das Bild einfach so haben, wie ich es mir vorstelle und wie ich es bearbeite und nicht mit einem schon in der Kamera bearbeiteten Bild, bei dem man nachträglich nict mehr wirklich viel machen kann, vorlieb nehmen müssen… und auch das “Retten” von ansonsten misslungen Bildern klappt, wenn man das RAW zur Verfügung hat.

    JPEG’s erstelle ich nur mehr fürs Web oder um Abzüge drucken zu lassen – ansonsten liegen alle meine Fotos nur im RAW-Format rum 🙂

  • Hi. Ich möchte ein Lob für deine Artikel und allgemein für deine Webseite aussprechen. Ich hoffe mein Blog wird irgendwann auch so viele Themen beinhalten können. 😉
    Weiter so!
    Vielen Dank übrigens für dein Comment!
    Gruß Raul
    P.S.: Bin übrigens auch Maschinenbaustudent. 😀

  • Padraice says:

    Endlich mal ein Artikel, der auch mich überzeugt. Ich habe schon öfter Artikel gelesen, in denen es um den Unterschied zwischen JPEG und RAW Format ging. So wirklich überzeugt haben mich die aber nie.
    Hier finde ich besonders das letzte Beispiel wirklich überzeugend. Natürlich ist es kein perfektes Foto, aber wenn man es mit dem Ausgangsmaterial vergleicht, ist das ein wirklich beeindruckendes Ergebnis.
    Noch fotografiere ich sowieso mit einer Kompaktkamera, mit der ich die Wahl ja gar nicht habe, aber da ich vorhabe mir bald eine DSLR zu kaufen werde ich das dann auf jeden Fall auch mal ausprobieren und für mich selbst herausfinden, was mir besser gefällt – auch wenn ich hier gerade schon vom RAW Format überzeugt bin.

1 Trackback

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *