Yashica Electro 35 GSN

Mal wieder etwas aus dem Fundus, und ein echtes Schmuckstück dazu. So eine Yashica GSN bietet dem Fotografen viel für wenig Geld. Hier ein kurzer Bericht, objektive Fakten und mein subjektiver Eindruck

Wissenswertes

Die Yashica GSN wurde von 1973 bis 1977 hergestellt und führte den enormen Erfolg, den Yashica seit Einführung der “Elektro” Serie 1966 verbuchen konnte, konsequent fort. Ensprechend ihrer Zeit fällt die Optik der Kamera aus: Kompakte Bauweise, runde Ecken, viel Chrom und hochwertiger Kunststoff.

Technisches

Zwei Punkte fallen bei der technischen Beschreibung besonders ins Gewicht. Zum einen ist das Objektiv wirklich herausragend. Es handelt sich um ein fest verbautes Yashinon 45mm mit einer Lichtstärke von maximal f/1.7, was wirklich beachtlich ist. Außerdem ist die Linse sehr hochwertig gefertigt, Verzeichnungen und Vignettierung sind auf ein Minimum reduziert, und die Schärfe überragend.

Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Kamera über eine seltene Zeitautomatik verfügt. Einfach erklärt: Der Fotograf wählt manuell die Blende, die Kamera passt die Belichtungszeit automatisch daran an. Diese Art der Automatik ist deutlich interessanter als der umgekehrte Modus (also Zeit manuell, Blende automatisch), da die volle Kontrolle über die Blendenöffnung, also die Tiefenschärfe, erhalten bleibt.

Der Spaßfaktor ist also schon einmal gegeben. Laut Anleitung steuert die Elektronik die Zeitautomatik im Bereich von 1/500s bis 1s. Allerdings funktioniert die Automatik tatsächlich bis weit in den Minutenbereich, so dass die Kamera auch für die Langzeitfotografie interessant wird.

Weitere Features der GSN sind:

  • 35mm Messsucherkamera
  • Mischbild-Entfernungsmesser
  • Elektronischer Zentralverschluss
  • Belichtungsmesszelle oben im Gehäuse, also nicht TTL
  • Leuchtrahmensucher mit Parallaxenausgleich und Über- bzw. Unterbelichtungswarnanzeige
  • Benötigt Quecksilberbatterien, oder eine beliebige 6V-Energiequelle

Auch interessant: Die Belichtungsmessung steuert die Belichtungszeit kontinuierlich während der Verschluss geöffnet ist. Bedeutet, ändern sich während einer Langzeitbelichtung die Lichtverhältnisse, reagiert die Kamera sofort darauf.

Sieht man sich die Kamera näher an, kann man wohl leicht auf die Zeit ihrer Herstellung schließen. Alle Bedienelemente, und das sind nicht viele, sind klar geordnet auf der Gehäuseoberseite angeordnet. Man findet also zwischen Filmspul- und Spannhebel lediglich zwei Lämpchen zur Anzeige einer eventuellen Unter- oder Überbelichtung, den für das GSN-Modell typischen Blitzschuh, einen Einstellring für die Filmempfindlichkeit, und eben den Auslöser.

Die restlichen Einstellungen werden klassisch am Objektiv vorgenommen, hier finden sich die Drehringe zum Einstellen der Blende und des Fokus, sowie ein kleiner Spannhebel für den Selbstauslöser.

Probleme und so…

Neben all den tollen Eigenschaften der Kamera will ich natürlich auch kurz auf einige Nachteile bzw. Probleme eingehen.

Ein in der Verschlussmechanik eingebauter Puffer löst sich im Laufe der Zeit auf. Man hört dann beim Spannen kein sattes “KLONK” mehr, sonder eher ein leises “pling”. Ausserdem ist das Mischbild des Entfernungsmessers in Form einer Raute, etwas dunkel, was vor allem bei schwierigen Lichtverhältnissen wie AL-Fotografie ein scharfes Auge erfordert.

Auch anspruchsvoll ist die bereits erwähnte Zeitautomatik, die Kamera liefert nämlich keine Infos zur von ihr gewählten Belichtungszeit. Hier hilft es, ein paar Kombination von Blende, Zeit und Empfindlichkeit grob im Kopf zu haben, oder aber sich eines Tricks zu bedienen: Leuchtet die Anzeige für Unterbelichtung, die Blende um ein bis zwei Stufen öffnen, die Zeit ist nun ca. 1/30s. Umgekehrt wird bei einer Warnung für Überbelichtung verfahren: Ein wenig abgeblendet, und die Zeit sollte etwa 1/500s sein.

Fazit

Ich habe diese kleine Kamera beim Fotohändler meines Vertrauens in Erlangen für zwei alte Minolta SLR’s eingetauscht. Gut erhaltene Exemplare gehen bei eBay für etwa 60 Euro über die virtuelle Theke. War ein faires Geschäft, die Kamera ist gut in Schuss, mal abgesehen von den porösen Lichtdichtungen, was aber bei so ziemlich allen Kameras diesen Alters auftritt. Die Elektronik funktioniert, die Linse meines Exemplares ist quasi neuwertig.

Die Kamera ist deutlich größer als ich erwartet hatte. Wer bei “kompakter Messucher” also an kleine 35er von Rollei oder Olympus denkt, denkt leider falsch. Die Kamera ist sogar etwas größer als eine Minolta-SLR. Wen das nicht stört, der wird die hochwertige Haptik und eben das Gefühl einer wertigen Kamera in der Hand lieben.

Bildgestaltung macht mit dem Sucher der Kamera wirklich Spaß, selbiger ist nämlich sehr groß und hell. Lediglich das Fokussieren ist eben manchmal anspruchsvoll.

Sobald das Wetter wieder angenehmer ist werde ich mal ein paar Probefilme verknispen und entwickeln.

Mehr?

Ein schönes Review zur Schwester, der GTN, gibt’s drüben auf’m hometrail. Lesenswert!

Bilder

Unterwegs in Nürnberg: Yashica 35 GSN

Quellen

Erik Fiss zur Yashica 35 Elektro

Artikel zur Yashica von Ken Rockwell (englisch)

Kommentare

[…] absolut fehlerfrei und liefert mindestens 36 Bilder pro Film (Im Gegensatz beispielsweise zur Yashica, bei der die Abstände einzelner Negative schon mal variieren, je nach Tageszeit und […]

scheller Arthur sagt:

Meine Yashika Elektro 35 musste mit einer Spezial-Batterie 5,6 V betrieben werden. Diese wurde jedoch schon vor mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr hergestellt. Kommentar/Händler : Kamera entsorgen ! Mein Versuch mit 6 V scheiterte, Selbstauslöser klemmt seitdem… Kann die Kamera repariert werden ? Ich hänge aus denselben Gründen an ihr, wie Sie !
Wüssten Sie einen Rat ?

scheller Arthur sagt:

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Sebastian sagt:

Alles korrekt. In meiner hatte die alte auch den Geist aufgegeben. Ich bin also zum Batteriefachhändler. Der hat zwar erstmal einen Schritt zurück gemacht, als ich ihm die alte Quecksilberzelle zegte, hat mir dann aber einen Ersatz rausgesucht: Eine Unicell TR164. Die hat die exakte Größe und auch 5,6V. Zu finden auch etwa hier: http://bit.ly/pvIq5Z

Hoffe ich konnte helfen.

Sebastian sagt:

Das mit dem Selbstauslöser ist allerdings doof, da fällt mir spontan auch nix ein, außer sich nach einem Spezialisten zu erkundigen. Sollte aber machbar sein, Sie sind sicherlich nicht der Einzige mit diesem Problem.

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