1.03.2011
Available Light bei Nacht: Ein paar Erfahrungen

Fotografieren ist besonders nachts durchaus reizvoll, allerdings auch nicht ganz einfach. Hierfür gibt’s doch die manuellen Modi einer Kamera, aber sind die nicht zu schwierig? Nachfolgend meine bisherigen Erfahrungen sowie einige Tips und Kniffe.

Vor einigen Wochen habe ich aus der Laune heraus mal wieder die 5D Mark II getestet. Diesmal wollte ich die Kamera bei Nacht und ohne zusätzliches Licht ein wenig prüfen, und habe hier in Nürnberg Zabo ein paar Testbilder geschossen.

Das Equipment

Wie gesagt, die 5DII sollte es sein. Als Objektiv habe ich mein EF 50mm f/1.4 gewählt. Nachts, sowie generell bei wenig Licht, ist die Lichtstärke Trumpf – je mehr desto besser. Die Offenblende des 50er’s, also f/1.4, ist mein derzeit mögliches Maximum.

Das Handling

Klar, hier und da gibt’s ein wenig Licht von Straßenlaternen, eventuell ist auch Vollmond. Generell ist es nachts aber, abgesehen einmal von der bunt beleuchteten Innenstadt, dunkel, und zwar richtig dunkel. Wie die meisten, habe ich auch ich das verfügbare Licht anfangs überschätzt. Es ist wirklich dunkel. Empfehlenswert also, sich mit seiner Kamera zumindest grob auszukennen. Die wichtigsten Handgriffe, wie zum Beispiel Blende, ISO-Wert und Zeit sollten auch ohne einen Blick auf die Kamera sitzen, das erleichtert das nächtliche Knipsen ungemein. Wie oft stand ich minutenlang in der Dunkelheit, um an meinem Body den einen oder anderen Knopf zu suchen. Ein wenig Übung ist hier also durchaus sinnvoll.

Die Einstellungen der Kamera

Available-Light Fotografie bei Nacht würde ich durchaus zu den extremeren Shootings zählen. Hier müssen sich sowohl Technik als auch Fotograf beweisen. Freilich ist man digital relativ entspannt unterwegs, Ausschuss (und der ist anfangs groß, wirklich :D) kann ja sofort gelöscht und ein neuer Versuch gestartet werden. Dennoch erleichtern hier und da ein paar technische Feinheiten das Fotografieren bei Nacht.

Ich habe ohne Stativ fotografiert, was die Wahl der Einstellungen natürlich noch einmal deutlich limitiert. Für die Kombination Freihand & AL gibt es eigentlich keine perfekten Einstellungen, nur eben bestmögliche Kompromisse. Die Belichtungszeit sollte bei mindestens 1/30s oder besser 1/50s liegen, länger belichtete Bilder werden aus der Hand heraus geschossen sofort unscharf. Mit Anlehnen oder Aufstützen ist auch mal 1/18s drin, mehr geht nicht.

Der ISO-Wert ist ebenso heikel. Natürlich gilt, je höher, desto heller, empfindlicher das Bild, desto kürzer kann die Zeit gewählt werden, ohne eine Unterbelichtung zu riskieren. Allerdings steigt mit dem ISO-Wert auch das Rauschen, und zwar enorm. Selbst aus meiner 5DII sehen unbearbeitete Bilder mit einem hohen ISO wie etwa 6400 gruselig aus.

Empfehlung: Den ISO-Wert so hoch wie nötig, so niedrig wie möglich halten, um gerade noch aus der Hand heraus “scharf” fotografieren zu können”

Bei der Blende gibt es nachts eigentlich nur eine Wahl – offen. Ein paar wenige Stufen kann hier und da abgeblendet werden, mehr ist meist nicht möglich, ohne dass Belichtungszeit und ISO-Wert sofort in die Höhe schießen.

Auch wichtig ist der Autofokus, dieser tut sich nämlich bei Nacht äußerst schwer und zielt oft ins Leere. Hier können manuelles Fokussieren und Live View helfen, oder eben Geduld 😀

Hilfe, es ist zu dunkel!

Oft lässt sich trotz der bestmöglichen Kombination aus ISO, Zeit und Blende eine Unterbelichtung nicht vermeiden und ist sogar notwendig, um ein scharfes Bild zu bekommen. Daher sollten möglichst viele Einstellungen manuell vorgenommen werden, denn im Automatikmodus sträubt sich die Kamera gegen eine “bewusste” Unterbelichtung.

Ideal bei Nacht: Zeit- oder Blendenvorwahl, oder besser gleich der manuelle Modus

Die Ergebnisse

Die Bilder direkt vor Ort auf der Kamera zu checken, ist nur bedingt sinnvoll. Zwar können grobe Fehler schnell erkannt werden, für eine genaue Analyse muss aber der Computer her (unterbelichtete Bilder und so…). Der Weißabgleich der Kamera liegt bei spärlichen Lichtverhältnissen zeitweise etwas daneben, kann aber nachträglich korrigiert werden, sofern das Bild als RAW-Datei vorliegt. Oft müssen Bilder aufgehellt werden, doch auch hier gilt: Vorsicht Rauschen! Da sich ein gewisses Maß an Rauschen meistens nicht vermeiden lässt, sollte selbiges auch gleich etwas mit der entsprechenden Funktion im Bearbeitungsprogramm reduziert werden.

Das Fazit

Knipsen macht immer Spaß, auch nachts. Wer die Herausforderung nicht scheut kann wirklich tolle Ergebnisse erzielen. Freilich ist der Frustfaktor anfangs hoch, sinkt aber rasch mit zunehmendem Know-how, versprochen. Ausserdem eine gute Gelegenheit, seine Kamera mal “richtig” kennen zu lernen und sich mit den verschiedenen Funktionen und dem Zusammenhang der Grundeinstellungen auseinander zu setzen. Denn mal ehrlich, zu wieviel Prozent macht ihr eure Bilder im Schnappschuss-, oder im P-Modus? Den hat jeden günstige Kompaktkamera nämlich auch 😀

Noch mehr?

Nachtaufnahmen-Tutorial von Raul

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