Leica IIIc/IIIf

Eine der ersten Kleinbildkameras überhaupt schlägt sich auch heute noch überraschend gut.

Schon vor einiger Zeit erwarb ich meine erste Leica. Nein, keine M3 oder M6, die stehen noch aus. Außerdem reichte zu diesem Zeitpunkt das Geld nicht. Eine kleine IIIc (nachträglich umgerüstet zu einer IIIf) ist es letztendlich geworden, wenn auch eher spontan. Allzuviel erwartete ich mir zwar nicht von diesem Sammlerstück ob der vielen Jahre, die es schon auf dem Buckel hat. Meine Erwartungen wurden allerdings schon nach dem ersten Film übertroffen, weswegen ich hier ein paar Worte zu dieser bemerkenswerten Kamera verlieren möchte.

Wissenswertes

Schraubleica, was ist das eigentlich? Bereits 1925 begann die Firma Leitz mit dem Bau “morderner” Kleinbildkameras. Da Selbige in den ersten Jahren bis 1930 noch nicht über eine eigenes Objektivbajonett (Heute das typische M-Bajonett), sondern lediglich über einen Gewindeanschluss verfügten, hält sich bis heute dieser Name. Im Laufe der Jahre entwickelte Leitz die Leica mit Gewindeanschluss konstant weiter, so dass heute viele verschiedene Versionen existieren. So ist etwa die Leica IIc eine Art Downgrade der hier vorgestellten IIIc, da sie nur über Kurzzeiten verfügt. Eine Leica IIIf verfügte bereits über eine eingebaute Blitzsynchronisation. Auch die IIIc markierte einen wesentlichen Fortschritt in der Produktion, sie war die erste, deren Deckklappe mittels des damals neuartigen Spritzgrußverfahrens aus einem Teil hergestellt wurde. Darüber hinaus verfügte sie, mal abgesehen von fehlender interner Blitzsynchronisation und Selbstauslöser, bereits über alle nötigen Funktionen. Bis auf den ganzen technischen Schnickschnack eben, aber wer braucht den schon :D. Außerdem verfügt meine anscheinend modifizierte IIIc über einen Selbstauslöser, den sie eigentlich gar nicht haben dürfte.

Technisches

Die wichtigsten technischen im Überblick:

  • Vollmechanische Kleinbildkamera mit gekuppeltem Mischbild-Entfernungsmesser
  • Kurzzeiten von 1/1000s bis 1/40s
  • Langzeiten von 1s bis 30s sowie Bulb
  • Selbstauslöser (modifiziert)
  • Blitzsynchronisation (modifiziert)
  • Bildzählwerk (muss manuell zurückgesetzt werden)
  • Gewindeanschluss M39
  • Getrennte Fenster für Sucher und Entfernungsmesser
  • Tuchverschluss

Gerade die getrennten Fenster sind interessant. Ich kannte sowas vorher noch nicht. Im Prinzip funktioniert das so: Mit einem Auge durch den Sucher schauen und grob das gewünschte Motiv anpeilen. Dann den Kopf vorsichtig zur Seite bewegen, so dass durch den Entfernungsmesser geschaut werden kann. Hier wird nun, entsprechend der gewählten Blende, der Fokus eingestellt. Nochmal kurz im Sucher den Ausschnitt kontrollieren, und *KLICK*. Was anfangs sehr ungewohnt anmutet, wird nach ein paar verknipsten Filmen schnell zu Routine. Mittlerweile komme ich ausgezeichnet mit dem Verfahren zurecht. Auch der Gewindeanschluss ist kein Problem. Machte mir zwar Sorgen, ob das mit “nur einem Gewinde” alles fest sitzt und entsprechend ausgerichtet ist, doch da habe ich Leica unterschätzt. Einmal fest gezogen, sitzt das Summitar 50mm f/2.0 bombenfest.

Überhaupt fiel mir schnell auf, dass die ganze Kamera ein einziges Meisterwerk der Handwerkskunst ist. Nichts wackelt oder hat unnötig Spiel, alles fühlt sich schwer und wertig an. Und zwar richtig wertig. Die Bessa ist zwar auch wertig, doch kein Vergleich zur Leica. Die Leica hat richtig Gewicht, das Metall fühlt sich angenehm kühl an.

So, was noch? Das Bildzählwerk. Ich persönlich vergesse eigentlich IMMER es zurückzustellen, ist aber auch nicht erforderlich. Eine tolle Hilfe allerdings, sollte man darauf angewiesen sein. Da ich nur zum Spaß knipse, bin ich es nicht.

Das Handling

Zugegeben, ich habe mich vorher zumindest mal informiert, wie ein Film korrekt in alte Leicas einzulegen ist. “Nicht ganz einfach” hieß es hier und da. Kann ich nicht bestätigen. Gut, als Grobmotoriker vielleicht, aber da ist wohl vieles “nicht ganz einfach”. Eigentlich ist das alles ganz simpel: Film etwa 12cm aus der Dose ziehen. Mit einer Schere den dünnen Anfang auf etwa 10cm verlängern und wieder rund auslaufen lassen. Das dünne Ende in die Spule der Kamera klemmen. Das Konstrukt langsam in die Kamera versenken. Ein bis zwei mal spulen und auslösen um korrekten Transport zu überprüfen. Bodenklappe wieder drauf. Fertig. Kann man sich natürlich auch nochmal in Ruhe anschauen, etwa hier.

Der Korpus liegt satt und schwer in der Hand. Für große Hände eventuell etwas friemelig. Alle Rädchen sind gut zu erreichen, sofern der Blendenring in entsprechendem Zustand ist, lässt sich die Blende mit einem Finger ohne Anstrengung sehr fein einstellen. Falls sich übrigens jemand fragt, warum die Leica zwei getrennte Zeitenräder besitzt: Langzeiten wurden erst ab 1933 mit der Leica III eingeführt, konstruktionsbedingt war dafür allerdings ein separates Zeitenrad nötig, welches seither auf der Vorderseite Platz findet.

Das Gefühl

Das Objektiv fühlt sich, wie auch die Kamera, schwer wie ein Stein an. Macht aber nichts, dafür sind beide sehr kompakt und handlich. Kein Vergeich zur M3. Außerdem ist das Summitar versenkbar, und so verschwindet die Kamera schnell in der Jackentasche. Ich finde die gesamte Haptik sehr gelungen.

Eigentlich bin ich ja kein Fanboy und möchte auch nicht subjektiv rumschwärmen, aber das Fotografieren mit der Leica ist wirklich einmalig. Viel mehr “Handwerk” Fotografie, wie ich es ja schon mit der Bessa lieben gelernt habe, geht eigentlich nicht mehr. Keine Menüs, keine Elektronik, keine Lämpchen und Pfeilchen, kein gar nichts. Nur der Fotograf und sein Werkzeug. Entfernung, Zeit, Blende. Mehr braucht es aber auch nicht. Hier will ich aber gar nicht zu sehr darauf eingehen, wie viel mehr man sich dadurch mit der eigentlichen Bildomposition auseinandersetzt; dafür nehme ich mir mal in einem Artikel über analoge Fotografie gesondert Zeit. Ich sage mal so: Es macht einfach Spaß damit zu hantieren, und zwar den Spaß, den ich als kleiner Bub mit meiner ersten Kamera hatte und trotz technischer Perkfetion bei einer 5DII oftmals vermisse.

Problemchen?

Wirkliche Probleme gibt es mit dieser Kamera eigentlich nicht, lediglich Herausforderungen. Freilich ist der Sucher nicht der Größte und Hellste, aber für damalige Verhältnisse absolut tauglich. Der Entfernungsmesser arbeitet auch nach den vielen Jahren präzise. Das leicaeigene Prinzip des Filmwechsels ist freilich gewöhnungsbedürftig, jedoch sehr durchdacht. Die größte Herausforderung ist sicherlich die fehlende Belichtungsmessung. Ich schätze die meisten Zeiten und kontrolliere alle paar Bilder mit einem Messer oder einer DSLR. Da ich momentan noch eher in der Testphase der Kamera bin, laufe ich auch nicht Gefahr, dadurch wichtige Bilder versehentlich zu versauen. Wie gesagt, es soll ja der Spaß im Vordergrund stehen.

Dennoch noch kurz was zum Preis. Vor allem durch die Tatsache, dass alte Leicas mittlerweile weltweit Sammlerstatus genießen, halten sich die Preise seit Jahren konstant hoch, mit leichtem Hang zum Anstieg. Meine umgerüstete IIIc habe ich mit dem Summitar für 350€ erworben. Allerdings dürfte sie in diesem makellosen Zustand weit mehr wert sein. Ganz billig ist das Ganze leider nicht. Ich würde auch lieber ein paar Euro mehr dafür hinlegen, wenn dafür einwandfreie Funktion und Kosmetik garantiert wird. Also lieber zweimal hinschauen bei eBay und Konsorten. Auch einschlägige Foren wie das L Camera Forum bieten kompetenten Rat und ab und zu ein interessantes Schnäppchen.

Conversions

Im Zeitraum von 1930 bis etwa 1970 bot Leitz verschiedene Upgrades und Umrüstungen der Schraubleicas an, was zum Beispiel so aussah. Diese Möglichkeit, eine Kamera aufzuwerten oder um gewisse Funktionen zu erweitern, war zwar äußerst kostspielig, aber immernoch günstiger als eine komplett neue Leica. Nicht immer lassen sich heute die hierbei durchgeführten Arbeiten einwandfrei indentifizieren. Typische Konvertierungen sind beispielsweise der Austausch von Tüchern, Belederung, Suchern, oder etwa der Einbau einer Blitzsynchronisation, eines Selbstauslösers oder eines Kurz- oder Langzeitenrades. Bei einigen Umbauten wurden damals von den Arbeitern bei Leitz an einer bestimmten Stelle die Seriennummern von Hand ins Gehäuseinnere geritzt, um eine eindeutige Identifikation der Modifikationen zu ermöglichen.

Meine ursprüngliche IIIc hat heute einen Selbstauslöser sowie eine interne Blitzsynchronisation. Vermutlich auch ein neues Langzeitenrädchen und ein neues Verschlusstuch, beide sind nämlich in verdächtig gutem Zustand. Auch bei meinem Exemplar fand ich, als ich die Bodenplatte abnahm, einen Teil der Seriennummer fein säuberlich auf den Gehäuseboden eingeritzt. Ein weiteres Zeichen für eine Umrüstung durch die Leica-Werke sind die hinzugekommenen Blitzsynchronzahlen, bzw. die Art deren Anbringung. Bei einer richtigen IIIf sind diese um das Kurzzeitenrad herum in das Gehäuse eingraviert, bei modifizierten Kameras in eine kleine flache Metallplatte, welche anschließend unter das Rädchen gesetzt wird. Insgesamt gibt es wahnsinnig viele Conversions in allen Farben und Formen, so dass man oftmals eine Fälschung vermuten würden. Realtiv gut beraten wird man zu dem Thema im rangefinderforum.

Bilder

Ich hatte an die Resultate bewusste keine Anforderungen gestellt, um mich einfach mal überraschen zu lassen. Das Objektiv bildet für sein Alter erstaunlich scharf ab und zeichnet ein butterweiches Bokeh. Der Transport funktioniert absolut fehlerfrei und liefert mindestens 36 Bilder pro Film (Im Gegensatz beispielsweise zur Yashica, bei der die Abstände einzelner Negative schon mal variieren, je nach Tageszeit und Wetterlage).


Hier gibt’s noch ein paar Bilder von mir mit der Leica.

Mehr Infos

leicapages.org/html/L_IIIc
de.wikipedia.org/wiki/Schraubleica
lausch.com/leica3.htm

Kommentare

Silas sagt:

Interessanter Artikel! Man wusste eben schon damals, wie man Kameras baut, oftmals sogar besser als heutzutage…
Und zum Glück bin ich momentan mit meiner Kamerasammlung mehr als zufrieden, sonst könnte ich jetzt glatt schwach werden. 😀

Philipp sagt:

Schön zu lesen. Die Fotos vom Atelier hatten mir schon sehr gut gefallen.

Markus sagt:

Hat diesen Beitrag gelesen

Philipp sagt:

Was eine Schönheit!

Hermann sagt:

Artikel ist schön geschrieben, aber die Leica IIIc bzw.IIIf hatte keinen Messucher, sondern einen sog.gekuppelten Entfernungsmesser, wie viele Kleinbildkameras auch. Die erste echte Messucher-Kamera war die Contax.

Sebastian sagt:

Danke, wird geändert!

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