Schwarzweiss-Negativ-Entwicklung: Ein kleines Update

Gut 800 Fotos. Sagt mein Archiv. Alle eigenhändig entwickelt, gescannt und archiviert. Einiges hat sich seit dem ersten selbst gekippten Film getan. Zeit für ein kleines Update.

Bereits vor einiger Zeit fing ich an, mit analogen Kameras wild drauf los zu knipsen. Für das volle analoge Feeling entwickele ich seitdem fast ausschließlich selbst. Bisher nur schwarzweiss, was erheblich einfacher ist als Farbfilm. Zu dem gesamten Prozess habe ich an dieser Stelle schon ein paar Zeilen geschrieben. Freilich hatte ich zu Beginn nicht den Hauch einer Ahnung, woher auch. Wie das nunmal so ist, stöbert man im Internet nach Anleitungen und kauft sich erstmal das nötigste Equipment zusammen. Dann geht’s per trial and error los. Mittlerweile habe ich die verschiedensten Filme aus den verschiedensten Kameras in den verschiedensten Chemikalien entwickelt und nach persönlichen Vorlieben mein Arsenal ein wenig ausgebaut. Darum möchte ich hier mal ein paar Sachen ansprechen, die sich im Laufe der Zeit geändert haben. Natürlich spiegelt der Artikel keinesfalls eine astreine Anleitung wieder, sondern lediglich meine individuelle Vorgehensweise beim Entwickeln. Die ist keinesfalls perfekt, funktioniert für mich aber tadellos, so dass ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden bin. Sollte ja das Wichtigste sein. Neben dem Spaß natürlich :D.

Absolut empfehlenswert: Kodak Tri-X und Ilford HP5+ für mittlere Empfindlichkeit. Letzterer ist gepusht auf 1600 ASA übrigens ein klasse Ersatz für den eingestellten Neopan 1600

Vorbereitende Arbeiten
Wie bereits angesprochen hab ich mittlerweile einiges an Ausrüstung durchprobiert und bin jetzt bei Messsucherkameras angekommen. Keine Ahnung wieso, das Arbeiten mit Messsucher reizt mich einfach unheimlich. Auch Filme habe ich recht viele durchprobiert, von niedriger bis sehr hoher Empfindlichkeit war alles dabei. Am universellsten find ich jedoch mittelempfindliche Filme mit einer Empfindlichkeit von etwa 400 ASA. Größtenteils entwickle ich die Filme nach den jeweils vorgegebenen ASA-Werten, da dies am unkompliziertesten ist und eventuelle Fehler beim Entwicklungsprozess hier verhältnismäßig geringe Auswirkungen auf die Ergebnisse haben.

Tip: Gut gewaschene Hände schützen vor Fettflecken auf den Negativen

Die Friemelarbeit – Beladen der Spule
Bevor es überhaupt losgeht mit dem Entwickeln, steht direkt die kniffeligste Aufgabe an: Das Beladen der Spule. Klappt bei mir mittlerweile ganz gut. Ich nutze immernoch einen kleinen schwarzen Wechselsack von Phototec. Absolut lichtdicht und einfach zu handhaben. Einziger Nachteil: Dauert das ganze Gefummel zu lange, gibt’s leicht schwitzige Hände. Versaut habe ich dadurch aber noch keinen Film. Alles Übungssache. Zum Gefummel: Ich habe mir angewöhnt, den Film nach Entfernen des Anfangs und der zwei vorderen Ecken direkt aufzuwickeln. Alternativ kann der Film natürlich erstmal hinten beschnitten werden. Zum Köpfen der Filmdose nehme ich einen normalen Flaschenöffner.

Der Behälter für das Wasser, welches für Entwickler und Wässerung benutzt wird, sollte absolut fett- und schmutzfrei sein.

Chemikalien und Utensilien
Zum Einstieg habe ich erstmal Agfa Rodinal verwendet, welches als relativ einsteigerfreundlich und unkompliziert gilt. Und in der Tat verzeiht der Entwickler kleine Abweichungen von Temperatur und perfektem Mischverhältnis. Bei Mischungen von 1+25 und 1+50 wird das Korn sehr schön gleichmäßig, allerdings auch relativ grob. Natürlich toll für den richtigen “analogen” touch der späteren Bilder, jedoch nicht immer gewünscht. Hab mir dann mal ein Fläschchen Ultrafin liquid besorgt, mit welchem sich ein wirklich feines Korn erzeugen lässt. Unabhängig vom Entwickler sind generell die richtige Temperatur sowie das richtige Mischverhältnis die wichtigsten Punkte bei der Entwicklung. Bei mir kommen etwa 10l kaltes Wasser aus dem Hahn in einen Eimer oder großen Topf. Da drin hat’s dann meist schon zwischen 18 und 24 °C. Dann hänge ich ein einfaches Stabthermometer rein und gebe je nach Bedarf kleine Mengen heißes oder kaltes Wasser dazu um die gewünschte Temperatur von exakt 20°C zu erreichen. Anfangs habe ich mir bereits vorm Entwickeln den ersten Behälter mit etwa 300ml abgeschöpft, um direkt nach dem Entwickeln zwischenwässern zu können. Keine gute Idee, da sich die kleine Menge Wasser im verhältnismäßig warmen Raum schneller erwärmt als der große Topf mit 10 Litern.

Tip: Sicher ist sicher – Beim Mischen und Schütten kann schonmal was daneben gehen. Eine einfache Schutzbrille kann nicht schaden!

Apropos Behälter. Ich reinige alle Behälter mit lauwarmem Wasser. Spülmittel und Konsorten sind scheiße, dadurch können Rückstände verbleiben, die den nächsten Film versauen oder zumindest nicht optimal werden lassen können. So, weiter mit den Utensilien. Als sehr nützlich haben sich Lappen oder Küchenpapier erwiesen. Mal schwappt ein wenig Wasser daneben, mal ist der Tank nicht perfekt dicht und tropft beim Kippen. Ich persönlich lege mir gleich vorm Entwickeln ein paar Blätter als Unterlage auf die Arbeitsfläche. Bevor’s jetzt zum Entwickeln geht, suche ich mir nach wie vor meine Rezepte im massive dev chart oder, für Caffenol, von Reinholds Caffenol Blog raus und lege mein Handy als Stoppuhr bereit. Anschließend kontrolliere ich nochmals die Temperatur des Wassers und setze den Entwickler mittels Messbecher und Mensur an. Los geht’s.

Entwickeln, Fixieren und Wässern
Ich werd jetzt nicht nochmal den gesamten Ablauf beschreiben, dazu gibt’s ja sowohl hier als auch andererorts genügend Infos. Ein paar Sachen aber, die mir auffielen oder die ich mittlerweile anders mache, möchte ich aber anreißen. Zuerst mal starte ich meine Stoppuhr exakt zum Einfüllen des Entwicklers. Gaaanz genau muss man es nicht nehmen, die Hauptsache ist, sich eine individuelle Vorgehensweise anzueignen und diese dann beizubehalten, um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten. Soll heißen, dass man nach einer gewissen Zeit genau weiß, welche Ergebnisse man mit welcher Rezeptur erhalten wird. Noch kurz zum Kippen. Ich habe festgestellt, dass zu schnelles Kippen nicht unbedingt vorteilhaft für die Negative ist. Mittlerweile kippe ich sehr ruhig und gleichmäßig. Etwa 5 Sekunden darf ein Kippzyklus schon dauern. Gut Ding will Weile haben passt hier ganz gut. Entwickler wird gesammelt und entsorgt, Fixierer entsprechend oft wiederverwendet und anschließend ebenfalls gesammelt und entsorgt.

Nun kurz zum Wässern, bzw. explizit zum Schlusswässern. Ich wässere nach dem Fixieren mit der Ilford-Methode. Also fünf mal, zehn mal, 20 mal, fertig. Is aber im Prinzip wurscht, Hauptsache es wird einige Male ruhig mit frischem Wasser gekippt. So. Ich verwende normalerweise destilliertes Wasser für das letzte Mal Kippen. Hab ich aus dem Internet, eigentlich war mir der Nutzen nicht wirklich klar. Nachdem mein Kanister aber aufgebraucht war und ich mit normalem Leitungswasser gewässert habe, zeigten sich beim Trocknen hässliche Kalkflecken auf den Negativen. Auf der glatten Seite kein Problem, da kann man einfach mit einem feuchten und danach mit einem trockenen Tuch vorsichtig drüberwischen. Scheisse kommen allerdings Kalkflecken auf der Emulsionsschicht, die sind schwer zu beseitigen. Kurz gesagt, ich benutze wieder destilliertes Wasser. Allerdings nur beim letzten Mal, also beim 20 Mal kippen, das reicht völlig.

Trocknen
Ich trockne die Negative nach wie vor im Bad, da ist’s staubfrei und sauber, zumindest theoretisch :D. Filmklammern finde ich sehr nützlich, habe allerdings festgestellt, dass darauf zu achten ist, selbige möglichst mittig anzubringen. Soll heissen, ich hab die einige Male so lari-fari angebracht, um danach festzustellen, dass der Film sich quer gewölbt hat, was beim Scannen natürlich recht scheisse kommt. Dann ist erstmal ne Nacht plätten unter dicken Wälzern angesagt. Kann auch sein, dass der Grund hierfür woanders zu suchen ist, aber ich tippe auf die Klammern. Weiterhin richtet sich die Trockenzeit ein wenig nach dem Wetter. Normalerweise lasse ich im Bad das Fenster gekippt, und je nach Aussentemperatur geht das Trocken mal schneller, mal langsamer. Im Sommer ist der Film schon nach einer Stunde trocken, an kalten, nassen Herbsttagen lass ich den Streifen schonmal über Nacht hängen.

Schneiden, Scannen, Archivieren
Nach dem Trocknen schneide ich die Negative in 6er-Streifen und scanne alles auf dem rumpeligen CanoScan. Liefert zwar ausreichend dpi, ist dennoch nicht so das Gelbe vom Ei, ein feiner Plustek wie der von Pascal wäre mir lieber. Naja, für’s Web reicht’ s erstmal. Wo ich gerade bei Web bin: Enorm wichtig ist eine ordentliche Struktur für die Archivierung der Bilder. Ich kleb sowohl auf die Pergaminhülle des entsprechenden Filmes einen Zettel mit Infos zu Datum, Kamera, Film, Entwickler und so weiter, als auch archiviere ich alle Scans in Lightroom mit entsprechenden Namen und Tags für jedes Bild. Das ist wirklich nützlich.


Gut, Film und Motive lässt sich ja noch feststellen, aber wenn ich mal wissen möchte, mit welcher Kamera oder welchem Entwickler ich bestimmte Negative gemacht bzw. entwickelt habe, bin ich ohne Metainformationen komplett aufgeschmissen. Hier investiere ich lieber etwas mehr Zeit und baue mir eine klare Struktur auf.

Ergebnisse
So richtig versaut habe ich glücklicherweise noch keinen Film. Hier mal zu kurz fixiert, da mal zu lang entwickelt, ab und an Kalk- oder Fettflecken, aber keine vollkommene Katastrophe. Sofern nicht absolut störend, lass ich Staub und Fussel auf den Bildern. Gehört für mich irgendwie dazu. Also zum Gesamtwerk.

Ich mach das Ganze mittlerweile auch mal aus Jux für Familie und Freunde, die sind meist recht begeistert und können gar nicht glauben, dass man sowas auch “alleine” hinbekommt, also vom Abdrücken bis zum fertigen Bild in der Hand oder auf dem Computer. Zu 99% aber stehen mein persönlicher Spaß und die Herausforderung im Vordergrund, und so sollte es meiner Meinung nach auch sein. Der Prozess als Ganzes ist meiner Meinung nach unglaublich facettenreich. Angefangen bei einem aufmerksamen Blick und einer ruhigen Hand beim Festhalten des Motives, über ein wenig motorisches Geschick beim Aufspulen, bis hin zur handwerklichen Tätigkeit des Entwickelns und der entspannenden Monotonie des Kippens. Und schon bin ich durch mit dem Update. Ging ja recht fix. Zu Caffenol gibt’s übrigens auch Neues. Bald. Für diesmal reicht das hier erstmal.

Weiterführende Infos
Chemikalien, Zubehör und Krimskrams – phototec.de
Massive Dev Chart – digitaltruth.com
Reinholds Blog – caffenol.blogspot.com/
Sammlung vieler Rezepte mit Beispielbildern von flickr – filmdev.org/

Kommentare

Philipp sagt:

Schön geschrieben mit guten Tipps. Danke!

Pascal sagt:

Sehr schöner Artikel mit vielen nützlichen Infos.
Aber kauf deine Filme doch bitte woanders. 😉 Die Preise sind ja jenseits von Gut und Böse. Ich hab bei der letzten Kamerabörse 50 Cent für nen HP5 gezahlt, nen Jahr abgelaufen, aber vollkommen egal.
Alternativ Macodirect oder Spürsinn.

Sebastian sagt:

Danke, ist notiert 😀 Ja, bin da normalerweise auch ein Sparfuchs, aber war grad in der Stadt und brauchte dringend Filme…

Walter sagt:

Deine Tipps und Tricks kommen für mich genau zur rechten Zeit. Dein “alter” Artikel hat mir auch schon über die ersten Hürden geholfen.

Sebastian sagt:

Das freut mich! Sag bescheid, wenns was zu sehen gibt!

[…] Posts. Ich habe viel in der Uni zu tun und komme daher wenig zum fotografieren. Es gibt ein kleines Update zur Entwicklung von SW-Negativen. Der ausführliche Reisebericht der Bootstour auf der Müritz […]

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