21.09.2011
Unterwegs auf der Müritz – Logbuch

Diese Woche bin ich mit Familie und Freunden auf der Müritz unterwegs. Endlich mal wieder abschalten. Mit einem kleinen Verdränger schippern wir also über die Binnengewässer Mecklenburg-Vorpommerns. Da wir ab und zu Kontakt zum Büro halten wollen, haben wir einen UMTS-Stick dabei. Gut für mich. Hab mich spontan dazu entschieden, ein kleines tägliches Logbuch zu führen und euch die wichtigsten Stationen und Eindrücke quasi live zu vermitteln.

Tag 1

Mein Vater und Heinrich, ein guter Freund, sind bereits um 6 Uhr früh aufgebrochen, bevor meine Tante und ich gegen 8 Uhr losfuhren. Nach fünfeinhalb Stunden sind wir dann also im Warener Stadthafen angekommen. Wirklich ein schönes Fleckchen. Nach Beladen des Bootes haben wir erst einmal ein wenig die angenehme Ruhe genossen, ich habe erste Bilder geschossen. Tolles Boot übrigens. Und mit 12 Metern gar nicht mal so klein für 4 Personen. Gegen Abend zog es uns dann in ein kleines chinesisches Lokal, in welchem wir natürlich ausgiebig schlemmten. Einen Tag Essen an Land, einen auf dem Boot, so haben wir es uns vorgenommen. Wird aber gleichmal gebrochen, da Heinrich uns morgen in Lenz für Müritz-Matjes begeistern will. Naja, ich bin gespannt. Nun versuchen wir noch, den Fernsehen zum Laufen zu bringen. Denke aber, es geht recht bald in die recht kleinen Kojen.

Tag 2

Früh um halb 7 hieß es raus aus den Kojen. Während Heinrich duschte und meine Tante Brötchen organisierte, kämpfte ich gleich mal mit dem Kondenswasser, welches sich über Nacht auf allen Scheiben angesammelt hatte. Dämmungen Fehlanzeige. Aber wir sind ja auch nicht zum Spaß hier. Nach einen einfachen aber schönen gemeinsamen Frühstück setzte Heinrich unseren Kahn also in Bewegung. Heinrich ist übrigens Seemann, der weiß also was er tut.

Der Warener Stadthafen wurde auch im Fernglas immer kleiner, als wir gemächlich zwischen den roten und grünen Bojen, welche das Fahrwasser kennzeichnen, entlang schipperten. Über die Binnenmüritz ging es also raus auf die Kölpinsee, welche uns zwar mit etwas Wellengang, aber auch mit reichlich Sonnenschein erwartete. Danach auf die Fleesensee sowie weiter Richtung Malchow und dort durch die erste Schleuse. Nachdem wir am frühen Nachmittag im Lenzer Hafen ankamen, entschieden wir uns dafür, direkt anzulegen und bis zum nächsten Morgen dort zu bleiben. Fast alle Anlegeplätze waren nämlich bereits belegt, und wer gegen Abend keinen mehr findet, der hat schlechte Karten. Dann gibt‘s nämlich keinen Landstrom. Abends gab‘s dann lecker Müritzmatjes mit Bratkartoffeln und eine Extraportion Stechmücken.

Tag 3

Unsere Aufstehzeit richtet sich immer nach dem Frühstück. Heute gab es erst gegen 9 Uhr Brötchen, weswegen wir auch bis halb 8 in den Kojen lagen. Nach besagtem Frühstück sowie dem Aufräumen des Bootes liefen wir also aus dem Lenzer Hafen Richtung Plauersee aus, auf welchem Heinrich uns anschließend erste Bootsfahrstunden gab. Gar nicht so leicht wie ich finde. Heinrich sagt, das wichtigste ist: Immer mit der Ruhe, nur keine Hektik. Eine gute Einstellung, und auch passend für die gesamte Woche. Immer mit der Ruhe schipperten wir also zurück durch Fleesen- und Kölpinsee, zurück auf die Müritz und quer runter Richtung Süden.

Ich beschäftigte mich mittlwerweile unter Deck ein wenig mit meinem liebsten Fach Thermodynamik, als der Wellengang merklich zunahm. Nichtsahnend schaute ich also aus dem Seitenfenster, als ohne Vorwarnung ein Stuhl an mir vorbeizog. Es war unserer, er stand vorne am Bug als gemütliches Aussichtspläzchen. Naja, bis dahin eben. Weg ist aber nunmal weg und so lernte ich noch ein wenig weiter, während das Gelächter oben an Deck noch groß war :D.
Angekommen in Rechlin tauten wir das Boot fest und füllte erstmal gute 150 Wasser nach. Hundert Liter zu 60 Cent übrigens. Roswita und ich machten uns danach auf den Weg zu einem Supermarkt, um ein wenig frisches Obst und Gemüse (und Fluppen) zu besorgen. Nachdem wir abends im Gasthaus Spinnaker großartig zu Abend gegessen hatten, machte ich noch ein paar Fotos der Hafenanlage im Dämmerlicht, während die Anderen bereits wieder am Rätseln waren. Verrückter Haufen. Immer mit der Ruhe eben.

Tag 4

Morgentoilette, Frühstück, Aufräumen. Mittlerweile hatte sich uns der morgenliche Ablauf eingeprägt und so liefen wir auch gegen 10 Uhr aus dem Rechliner Hafen aus, nachdem wir zuvor noch Fäkalien entsorgt hatten. Vom idyllischen Rechlin aus ging es weiter südwärts Richtung Rheinsberger Gewässer. Auf der heutigen Strecke galt es 4 Schleuse zu durchfahren, was für uns Landratten natürlich ein echtes Abenteuer war. Für Heinrich nicht, der hatte natürlich die Ruhe weg. Festmachen, warten, losmachen, einfahren, festhalten, warten, ausfahren, fertig. Die Größte Schleuse hatte hierbei etwa 3,10 Meter Hub, die kleinste lediglich 40 Zentimeter. Immer wieder führte uns die Seekarte abwechselnd über kleine Seenlandschaften und ruhige Kanäle.

Gegen Nachmittag kamen wir dann in Kleinzerlang an, wo wir eigentlich übernachten wollten. Nachdem uns aber die klapprigen Stege und der Charme der ehemaligen DDR nicht recht überzeugten, fuhren wir noch ein kleines Stück weiter zur Marina Wolfsbruch, welche entgegen der Seekarte relativ groß und wirklich wunderschön war. Nach kurzer Einweisung vom Hafenmeister machten wir also fest und genossen noch ausgiebig die warme Abendsonne, welche sich nach dem eher bewölkten Tag doch noch mal hervortraute. Abends blieb dafür mal die Küche kalt. Genügend Vorräte hatten wir noch, und so tischten wir reichlich Brot, Wurst und Gemüse auf. Ist ja auch mal lecker. Trotz aller Anstrenungen brachte ich den beschissenen Fernseher wieder nicht zum Laufen, weswegen wir also einmal mehr die Bleistifte glühen ließen.

Tag 5

Leider hatten wir heute Nacht vergessen, die Heizung anzuwerfen, weswegen ich leicht fröstelnd aufwachte. Auch aus den anderen Kojen kam Geschrei ob des vielen Kondenswassers. Zur Aufheiterung also erstmal ausgiebig frühstücken, Brötchen gab es heute ab 8 Uhr. Danach mussten Heinrich und ich erstmal die Persenning abmontieren. Aus Gründen der Windschnittigkeit natürlich. Und auch weil es an diesem Tag galt, einige sehr niedrige Brücken zu unterfahren. Gegen 10 Uhr machten wir los und fuhren wieder südwärts über zahlreiche Kanäle nach Rheinsberg.

Dort legten wir an der kleinen Marina an und genossen mal wieder das ausgezeichnete Wetter. Roswitha und ich zogen außerdem wieder zwecks Stadtbummel und Einkäufen los. Bei einem kleinen Spaziergang durch das wirklich malerisch schöne Rheinsberg, welches mit seinen vielen bunten Häusern und kastaniengesäumten Alleen zum Verweilen und Ausspannen einlud, wofür wir natürlich gerne zu haben waren. Nach ausgiebigem Einkauf gab es noch ein Eis und alle waren glücklich. Anschließend liefen wir wieder gemütlich zurück nach Wolfsbruch, wobei Roswitha und ich uns mal wieder als Skipper versuchten. Kann ja nicht viel passieren auf den Seen. Bei den engen Kanälen und stecknadelöhrbreiten Brücken allerdings wurde Heinrich schnell unruhig und übernahm wieder lieber selbst das Steuer. Da es auf‘s Wochenende zugeht, war die Marina recht voll. Doch wir hatten Glück und bekamen wieder den gestrigen Liegeplatz. Festmachen klappte mittlerweile schon einwandfrei. Eingespieltes Team. Umständlich bauten wir die Persenning wieder auf, bevor wir noch ein wenig relaxten und zu Abend köstlich in der ansässigen Pizzeria speisten. Danach Fußballergebnisse und Kreuzworträtsel. Alle sind glücklich.

Tag 6

Selber Ort, selbe Zeit. Nachdem wir am gestrigen Freitag einen Ausflug nach Rheinsberg gemacht hatten, übernachteten wir ein weiteres Mal in Wolfsbruch. Frühstück gab es wieder gegen halb 9. Wie jeden Tag der perfekte Start. Danach liefen wir zurück Richtung Rechliner Hafen, wobei wir einen kleinen Abstecher nach Mirow machten. Zugabe von Heinrich. Außerdem mussten wir wieder durch die 4 Schleusen, welche wir am Donnerstag bereits zu Tal gefahren sind. Diesmal eben zu Berg. Festmachen funktionierte wieder prima, keine Verletzten.

In Rechlin angekommen lenzten wir zunächst den Fäkalientank, bevor wir weitere Nahrung zu uns nehmen konnten. Da der Hafenmeister, also der Lenzer, aber erst gegen 17 Uhr eintrudelte, hatten wir noch gute 2 Stunden für einen ausgiebigen Mittagsschlaf in der wiedermal wunderbar warmen Sonne. Danach rein in den Liegeplatz und festgemacht. Nach weiterer Faulenzerei trotteten wir in die Gastwirtschaft Seglerheim, wo wir es uns bei Welsfilet, Folienkartoffeln und Zwiebelsteak gut gehen ließen. Der Fäkalientank ist ja wieder einsatzbereit. Abends wie gewohnt gute Musik auf NDR 1 und Bundesliga auf NDR 2, ein paar nächtliche Schnappschüsse und zum Ausklang ein Riesen-Kreuzworträtsel, wobei selbiges eigentlich aufgrund der Körpergröße ungeeignet war.

Tag 7

Heute stand der letzte Tag der viel zu kurzen Reise an. Wir frühstückten wieder ausgezeichnet in Rechlin, bevor wir gegen 10 Uhr losmachten, nordwärts raus auf die kleine Müritz. Von dort aus kurz einen Schlenker nach Buchholz, danach auf die große Müritz und nach Röbel.

Dass das Wetter wiedermal absolut spitze war, muss ich ja nicht mehr erwähnen. Erwähnen kann ich allerdings, dass am heutigen Sonntag ziemlich viele Sonntagssegler unterwegs waren. Konnte uns als gut organisiertes Team aber nicht aus der Ruhe bringen. Wo ich gerade bei gut organisiert bin: Nach einigen Tagen schon hatte sich die Crew eingespielt und eine ausgeglichene Arbeitsmoral eingependelt. So waren die Geschwister Lock für „Backen und Banken“ sowie für die „Backschaft“ zuständig. Heinrich übernahm die Schiffsführung und Navigation, während ich Ver- und Entsorgung sowie Reisedokumentation übernahm. Dies resultierte daraus, dass ich „Hand gegen Koje“ angemustert habe. Des Weiteren kein Kielholen, keine Toten zu verzeichnen. Kein Piratenüberfall, keine Meuterei sowie keine Pest. Alles verlief planmäßig und übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Gegen 16 Uhr liefen wir in Waren ein und machten in der tiefstehenden Nachmittagssonne fest. Nach dem Captain‘s Dinner wurde aufgeklart und noch ein wenig Seemannsgarn gesponnen, bevor wir wehmütig in die Kojen fielen. Eine einmalige und wunderschöne Woche geht zu Ende.

Nachdem alle Lieben und Freunde daheim dieses Logbuch quasi live mitverfolgen konnten, hoffe ich ihr hattet Spaß beim Lesen und Anschauen der Bilder. Bis zum nächsten Mal.

18 Comments

  • jens says:

    Yay! da kommt ja fast schon neid auf. so ne tour würd ich so gern auch mal machen.
    knackige fotos. weiter so. ich komme wieder.

  • gerdi says:

    schöne Bilder da fühl ich mich schon mittendrin, wozu also mitfahren.die nachtaufnahmen sind besonders schön.
    ich grüsse euch alle vier ganz herzlich!
    gerdi

  • Schöne Kekse und schönes Wetter – das sind doch ideale Voraussetzungen für einen entspannten Urlaub.

  • Sebastian says:

    Deine Langzeitbelichtungen gefallen mir verdammt gut. Gute Fotoserie.

  • Chris says:

    Hat diesen Beitrag gelesen

  • gerdi says:

    die heutigen bilder sind wirklich KLASSE!!, vieleicht wäre ich doch gerne dabei? schön dass es euch so gut geht. aber langsam könnt ihr auch mal wieder kurs richtung heimat nehmen.
    herzliche grüsse
    Gerdi

  • Ingrid Koschnitzke says:

    Heinrich, danke für den Hinweis auf das Müritz-Logbuch.
    Ich habe nicht gedacht, dass die Müritz so schön ist.
    Die Fotos gefallen mir überaus gut. Gruß aus Hemhofen!

  • Gianna says:

    Wow – was für wunderschöne Bilder in deinem “Logbuch” vorzufinden sind. Ich habe diese paar Tage mit Genuss gelesen.

    Danke dafür!!!

    Gianna

  • Chris says:

    Schaust richtig erholt aus Basti 😉 – toller Bilder und netter Bericht!

  • Markus says:

    So, nachdem Blogumzug und neuer Artikel erledigt sind, habe ich endlich die Zeit gefunden, dein ausführliches Logbuch durchzustöbern – und es gefällt mir richtig gut!

    War sicher eine tolle Zeit die ihr “auf See” hattet – man merkt es deinem Bericht und deinen schönen Fotos an. Die jeweils letzen von Tag 3 und 4 finde ich übrigens richtig genial 🙂

    • Sebastian says:

      Danke dir! Da fällt mir ein, ich änder eben mal deinen Link!

  • VSK says:

    Ich kann Roswithas Begeisterung gut verstehen!! AHOJ

  • Denny says:

    Klingt nach jeder Menge Erholung und die Stimmung hast du gut eingefangen. Die Langzeitbelichtungen hast du sehr gut hinbekommen. Chapeaux!

    IMG_1123 (Segelbild) weiß natürlich auch sehr zu gefallen!

  • Kevin says:

    Richtig geile Fotos!

    Und fuck, ihr habt da ja eine TRILLION Seen. 😛

  • Andreas says:

    Hat diesen Beitrag gelesen

  • Andreas says:

    Toller Beitrag! Wir haben 2006 fast die gleiche Tour gemacht mit “MAX” und 2012, im April, schlagen wir wieder zu, wir freuen uns schon riesig drauf!

  • Schöne Tour und tolle Fotos von der Mecklenburgischen Seenplatte.

6 Trackbacks

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *