24.11.2011
Nürnberger Foto-Video-Digitaltage: Ein kurzer Bericht

Vergangenes Wochenende waren Chris und ich auf den 29. Nürnberger Foto – Video – Digitaltagen 2011. Ungefragt und ungebeten probierten wir einfach mal ein paar Linsen aus, hier ein paar Eindrücke.

Eigentlich war der Tag nicht so geplant. Relativ spontan trafen wir uns am Samstagvormittag hinterm Bahnhof in Nürnberg. Im Hotel Merkur, unweit vom Fotomax, war die relativ kleine Messe im Gange. Wir also rein und Stand für Stand alles abgeklappert. Man verzeihe langweilige Bilder und versaute Weißabgleiche.

Zeiss

Mir wurde erstmal das neue, so weit ich weiß noch nicht erhältliche 25mm Distagon ƒ/2.0 in die Hand gegeben. Nachdem wir eh die Kameras dabei hatten, gleich mal ein paar Bilder gemacht. Erster Eindruck: Genial. Haptik fast vergleichbar mit Leica. Alles aus Metall, absolut wertig aber nicht zu schwer. Auch von der Optik perfekt. Abbildungsleistung wirklich sehr gut, auch bei Offenblende.

Zeiss 25mm Distagon ƒ/2.0 an 5DII, Blende offen
 

Danach mal das 50er Zeiss ausprobiert. Haptik zeisstypisch ausgezeichnet. Abbildungsleistung sehr gut, sofern etwas abgeblendet wird. Deutliche CA’s wenn weit geöffnet. Aber etwa vergleichbar mit meinem Canon. Bokeh traumhaft weich.

Zeiss 50mm Planar ƒ/1.4 an 5DII, fast offen. Sry für Verwackler 😀
 

Danach dann noch das 18mm Distagon ƒ/3.5 aufgeschraubt. Ebenfalls wirklich toll. Haptik, Optik, Leistung lassen keine Wünsche offen. Dass es sich um eine Linse für Spezialanwendungen handelt, brauch ich ja nicht zu erwähnen. Spaß macht sie aber allemal.

Zeiss 18mm Distagon ƒ/3.5 an 5DII, Blende offen. Die zweite 5D ist logischerweise nicht meine 😀
 
Hier das Distagon itself.
 

Allgemein muss ich sagen, dass mich die Zeissobjektive absolut überzeugen. Ich persönlich kann auf den AF verzichten, lege aber großen Wert auf ein wertiges Gefühl in der Hand und eine ordentliche Abbildungsleistung. Vor allem beim 25er könnte ich schwach werden.

Chris: Von Zeiss konnte ich ein paar Linsen, darunter das neue 25mm ƒ/2 sowie das 50mm ƒ/1.4, kurz antesten, allerdings habe ich damit keine Bilder mit einer eigenen Kamera gemacht, weswegen ich nichts zur Bildqualität sagen kann. Eines ist aber sicher: Die Objektive von Zeiss bieten meiner Meinung nach mit die beste Verarbeitungsqualität. Vielleicht sind diese sogar einen Tick besser verarbeitet als so manche L-Linse von Canon? Ein direkter Vergleich war leider nicht möglich, denn…

Canon

…war lediglich mit zwei Druckern, zwei Notebooks und zwei mehr oder weniger nützlichen Mitarbeitern angereist. Laut den Mitarbeitern ist Canon auf fünf weiteren Messen, welche zeitgleich stattfanden, vertreten und hatte deswegen kein einziges Objektiv und keine einzige Kamera dabei. Für mich eine wirklich große Enttäuschung, vor allem da Canon groß angekündigt wurde. Nikon war auch am Start und hatte einen ziemlich großen Stand mit allen möglichen Objektiven und Kompaktkameras sowie einigen Bridgekameras… und ich wette auch Nikon ist auf den anderen Messen dabei.
Dazu kommt, dass ich derzeit wieder mal ein Problem mit meiner 60D habe. Das Autofokuslicht, welches den AF bei schlechtem Licht unterstützt, ist scheinbar defekt. Dieses leuchtet immer sobald man den Auslöser nur halb durchdrückt und bleibt auch aktiv wenn man die Kamera auslöst. Die Folge ist ein roter Lichtschein auf allen Aufnahmen im relativ dunklen Raum. Der offizielle Canon Support wollte mich nach einer Anfrage zurückrufen, meldete sich bis heute leider nicht mehr. Die beiden Mitarbeiter verwiesen mich auf einen Shop der sich in der Nähe der Messe befindet. Meine derzeitige Meinung von Canon ist deswegen derzeit nicht die Beste, weswegen ich etwas in Richtung Nikon schaue, mal sehen was die Zeit bringt.

Seb: Pfeiffen! “Jaa ääh wir sind auf vielen Messen gleichzeitig und können daher nicht überall blabla”. Schon klar, Kwanon als “kleiner” Hersteller kann sich natürlich nur wenige Objektive zu Testzwecken leisten…

Kalahari

Hat mich gefreut dass die auch vor Ort waren. Habe gleich mal aufdringlich mehrere Taschen angegrabbelt und ein wenig mit dem Mitarbeiter gequatscht. Hat noch irgendwas von einer Tasche für Radfahrer erzählt. Wie auch immer, die Taschen kann ich uneingeschränkt empfehlen. Rau- und Glattleder, Canvas und Leinen haben noch nie so stylisch zusammen ausgesehen. Ich selbst nutze seit etwa einem Jahr die hier auf der Straße.

Sigma

Hier haben wir wohl am meisten Zeit verbracht. Vorbildlich war ein freundlicher Mitarbeiter mit dem gesamten Objektivpark da, inklusive dem dicken 800mm. Nicht schlecht. Nur Sophie Schütt fehlte.

Ich testete zuerst das 50er Sigma, um quasi einen direkten Vergleich zu haben. Erster Eindruck: Wertig, aber halt Plastik. Keine gute Idee, erst das Zeiss in die Hand zu nehmen. 77mm Filtergewinde, schon ein Klopper. Leistung tadellos, wennauch wie bei den Konkurrenten deutliche CA’s bei Offenblende. Vom Preis-/Leistungsverhältnis her ausgezeichnet. Da stellt sich die Frage, ob der Aufpreis für das Zeiss lohnt… Hier offen bzw. halt weit geöffnet, fragt nicht so doof:

Bilder aus dem Sigma 50mm ƒ/1,4 EX DG HSM
 

Danach kam das 85er ƒ/1.4 an die Reihe. Ausgezeichnet, wirklich ausgezeichnet. Dafür würde ich mein 85er Canon in die Tonne kloppen. Gute Haptik, wirklich knackscharf, auch offen. Kostet aber auch ein paar Öcken. Dennoch war ich begeistert. Einer meiner Favoriten der Messe. 8)

Sigma 85mm ƒ/1,4 EX DG HSM, oben offen, drunter bei ƒ/2,5
 
Das 24-70er, aufgenommen mit dem 85er
 

Chris: Scharf, kontraststark und wunderbares Bokeh. Scheinbar sigmatypisch ist auch hier der Autofokus wieder relativ träge. Scheinbar bin ich durch den USM Motor meines Canon 70-200mm ƒ/2.8 II verwöhnt? Bei 85mm und einer Blende von 1.4 kann man wunderbar freistellen. Eine wirklich tolle Linse die leider auch ihren Preis hat.

Zum Abschluss das 24-70mm ƒ/2.8. Groß, relativ schwer, aber gut. Wirklich sehr gut. Allerdings auch nur einen Tick schärfer als mein Tamron 17-50mm ƒ/2.8. Das Bokeh ist dafür eine Ecke weicher. Der Brennweitenbereich ist allerdings eher etwas für eine 5D als für eine 60D. Der Autofokus war hier eine Ecke besser als die anderen Sigmas. Allerdings ist er von der Geschwindigkeit immer noch relativ langsam wenn man den Vergleich zu den Canon USM AF Motoren zieht.

Seb: Hab auch nochmal das 24-70mm angeflanscht. Fühlt sich gut an, bin aber kein Freund von Aussenfokussierung. Leistung solide, habe aber keinen Vergleich zum 24-70 L, danke Canon.

Sigma 24-70mm ƒ/2,8 EX DG HSM, fast offen
 

Außerdem kurz das 8mm Fisheye. Nettes kleines Teil, könnte mir gefallen. Vignettiert aber leicht am Vollformat…

Sigma 8mm ƒ/3,5 EX DG, kreisförmiger Ausschnitt am VF
 

Chris: Das Sigma 120-300mm ƒ/2.8 EX DG OS HSM war das schwerste und größte Objektiv das ich bisher testen konnte. Eine durchgehende Blende von 2.8 bei 120 bis 300mm hat durchaus ihren Preis, welcher nicht nur ein großes Loch in der Geldbörse hinterlässt, sondern auch mit einem relativ hohen Gewicht von knapp 3kg ein hergeht. Durch den Bildstabilisator, bei Sigma durch das Kürzel “OS” gekennzeichnet, sind selbst bei 1/30s noch scharfe Aufnahmen möglich. Beim kurzen Test sind mir die gute Schärfe sowie das sehr weiche Bokeh aufgefallen. Der Autofokus ist für ein Objektiv dieser Klasse relativ langsam, dazu später mehr. Durch das relativ hohe Gewicht hat man den Wunsch nach einem Einbeinstativ. Ohne ein solches kommt man sicherlich nicht mehr als ein bis zwei Stunden zurecht.

Sigma 120-300mm ƒ/2.8 EX DG OS HSM an der 60D
 
Chris mit dem 120-300er
 

Endlich konnte ich auch die kleine Festbrennweite von Sigma, welche nur für den Crop-Sensor berechnet wurde, testen. Das 30mm ƒ/1.4. Auch hier fällt zuerst der träge Autofokus auf. Die Schärfe bei Offenblende ist nur mittelmäßig, erst ab Blende 2.8 ist es wirklich sehr gut. Bokeh geht noch in Ordnung, ist aber auch nicht gerade weich. Etwas “grieselig” wirkt es schon, vor allem entlang von Kontrastkanten.

Seb: So. Bei Nikon waren wir nicht, da wir ja beide mit Canon ausgestattet sind, zumindest derzeit. Ebenso Sony. Fuji hat man Personal und Arsenal geklaut.

Leica

Leica war mit einem kleinen aber feinen Stand vor Ort. Eine dicke S2 lockte die Leute an, ein paar kleine D-Lux und X1 standen auch rum. Ich schnappte mir gleich mal eine M9-P, ausgestattet mit einem neuen 35er Summilux. Fühlte sich an wie meines. Nämlich perfekt :P. Über die Kamera verliere ich an dieser Stelle mal keine Worte. Nur soviel: Fühlt sich genial an, ist lauter als ich dachte, das Display ist natürlich Mist. Aber eben das Gefühl…Und die Bilder… Wie auch immer. Eine zweite stand da, bin mir nicht sicher was dran war, augenscheinlich ein 75er Summicron.

Passend zum Equipment war Leica mit Macbooks und Billingham Taschen am Start. Understatement…
 
 

Das war’s schon mit unserem kleinen Bericht. Beim Hinausgehen hab ich mir noch schnell ein Lensbaby Composer geliehen. Wirklich witzig. Braucht zwar kein Mensch, aber wirklich witzig. Würde mir aber überlegen, dafür 200 Flocken springen zu lassen.

Lensbaby Composer
 

Abschließend noch ein paar Eindrücke.

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