Tagebuch: 02.02.19

Heute endlich mal wieder für ein Projekt fotografiert. Also nicht nebenbei dokumentiert wie immer. Was auch wichtig ist. Sondern richtig Zeit genommen, Filme gepackt, Kopfhörer geladen, raus gefahren. Neues Industriegebiet erschlossen. Zumindest teilweise. Dieses ist ziemlich groß und verstrickt, werde Monate zu tun haben. Was gut ist. Gut auch, endlich wieder mit 6×7 zu arbeiten.

Perfektes Wetter for Portra. Leicht bedeckt, diffuses Licht. Diffuse Gedanken. Bin soweit recht fit, das meiste an Medikamenten ist mittlerweile wieder ausgeschwemmt. Meine Fingerspitzen sind etwas kribbelig, wie leicht eingeschlafen. Neuropathie ist eine häufige Nebenwirkung der Chemo. Kann 1-2 Jahre dauern, bis das wieder vergeht. Naja.

Auf jeden Fall ist die Gegend motivisch recht komplex, werde bald wieder hier sein. Wird mit zunehmender Entfernung von der Zufahrtsstraße interessanter. Erst türkischer Supermarkt, verlassene Industriebauten, dann ein paar geparkte 40-Tonner und Transporter mit Neuwagen, später Mülldeponie und Reste von Autokarosserien. Gleise und Gebüsch und verlassene Höfe von “Import Export International” und “Autoteilehandel” und so weiter. Noch später verlotterte Schreberhüttchen und notdürftig gezimmerte Behausungen inmitten von Schrott und Müll, umzäunt von verrostetem Stacheldraht, hier und da brennt ein Licht im Fenster. Dazwischen ein dicker Benz oder ein aufgemotzter 3er mitten in der Pampa. Wie in True Detective. Nur ohne Bayou.  Auf dem Rückweg ist es schon fast dunkel. In einiger Entfernung sehe ich zwei Männer, die über dem Kofferraum eines Autos lehnen. Als die mich sehen, machen sie langsam die Heckklappe  zu und schauen mir einige Zeit hinterher. Mir egal. Was soll mir noch passieren, denke ich mir. Deadpool in langweilig.

Abends noch ein “Detox you feelings”-Tee, hat Olga im dm besorgt. Nächster Zyklus kann kommen.