Tagebuch: 17.01.19

Dinge, die ich in der Apotheke aus Mitgefühl geschenkt bekomme, wenn ich Medikamente abhole:

  • 3 Packungen Ricola Bonbons
  • 4 kleine Keramikengel mit LED-Lämpchen innen
  • 1 Flasche Rabenhorst Saft Traube & Schwarze Johannisbeere
  • 7 Päckchen Taschentücher
  • 2 Fotokalender für 2019

Liste wird fortgesetzt.

Tagebuch: 14.01.19

Gerade nichts zu tun und mit Olga in die Innenstadt gefahren, ein Geschenk für eine Freundin suchen. Also eigentlich sucht sie, die ein, zwei Sachen die ich brauche, hab ich nach fünf Minuten gefunden. Ein großes Blatt Bastelfilz, um mir daraus eine Hülle fürs MacBook zu basteln. Ablenkung halt. Innenstadt ist aber auch scheisse. Vor allem hier in Nürnberg. Leute scheisse, Läden scheisse, Architektur scheisse, alles scheisse. Außerdem tröpfelt es schon wieder.

Gesundheitlich heute ganz gut drauf, Lymphknoten am Hals schmerzen etwas. Wohl noch von der Lonquex-Spritze.

Schaffe hoffentlich diese Woche noch, mal wieder einen Satz Bilder und ein paar Hintergrundinfos zu meiner Erkrankung zu posten.

Tagebuch: 12.01.19

Heute früh um 7 Uhr aufgewacht vom Nachbarn der unten den Schnee vom Gehsteig schiebt und direkt ganz warm und behütet gefühlt.

Habe die Kategorien hier wieder fusioniert. Text und Bild, alles gehört zusammen.

Tagebuch: 10.01.19

Verwahrlose scheinbar etwas. Mich stört es nicht. Kann mich gut ablenken daheim. So stelle ich zum Beispiel nach und nach alles an Haushaltsgeräten, Computerkram und sonstigem überflüssigen Unrat, der sich über die Jahre als gut gemeinte Geschenke oder Mitbringsel in allen Regalen und Schubladen auf Dachboden, im Keller und der Wohnung ansammelt, bei eBay Kleinanzeigen ein. Sogar schon bisschen Umsatz gemacht. Heute kam mittags eine junge Frau einen Artikel abholen. Die war ziemlich schnell wieder weg. Sehe jetzt ohne Haare und mit heller Haut auch recht autoritär aus. Was wiederum die Adidas-Jogginghose eigentlich aufheben sollte. Aber das leicht fleckige T-Shirt wars wohl. Kann sie ja nicht wissen, dass ich aufgrund der starken Medikation recht gereizte Schleimhäute habe und dadurch immer mal Nasenbluten bekomme. Dafür hat sie jetzt ein leicht gebrauchtes Siemens Gigaset AS285 für 10 Euro. Habe dann aber doch lieber wieder was dunkles angezogen.

Die letzten Tage waren sonst ganz erholsam und ich war viel an der frischen Luft. Nachts zwei Stunden immer wieder abwechselnd Krämpfe unten am Fuß und Olga, die mich anstupst, weil ich schnarche. Vielleicht hilft etwas Magnesium.

Tagebuch: 05.01.19

Heute nacht ziemliche Bauchschmerzen. Dazu Wärmflasche beim Befüllen ausgerutscht und die Leiste verbrüht. Ganz schön was geschafft. Wetter heute richtig mies, Pläne für ausgiebigen Spaziergang verschoben. Olga ist sauer, aber ich muss halt aufpassen. Erstmal auf die Couch.

Tagebuch: 04.01.19

Schreibe jetzt auch kurze Einträge vom Iphone aus. Bequemlichkeit ist Trumpf, durch die viele Zeit daheim versuche alle möglichen Prozesse zu optimieren, vereinfachen, entschleunigen. Überflüssig aber macht Spaß.

Zudem wird die Wohnung immer schicker da mir ständig was neues einfällt zur Einrichtung.

Mittlerweile die Hälfte des zweiten Zyklus geschafft, gestern wie immer in der zweiten Woche des Zyklus das Vincristin gespritzt bekommen. Mögliche Komplikation Lungenfibrose und das wars dann. Darf man gar nicht drüber nachdenken. Aber kann überall alles passieren, also was solls. Geht mir den Umständen entsprechend gut. Ohne akute Chemo die den Körper zerballert wirkt diese Woche vor allem das Kortison und lässt mich nicht schlafen. Ab und zu etwas Bauchweh, vielleicht vom Ciprofloxacin gegen bakteielle Infekte. Aber Novalgin und Pantoprazol regeln. Ein buntes Potpourri an Medikamenten. Hab aber auch einen Apfel gegessen, zum Ausgleich.

Tagebuch: 01.01.19

Olga sagt, ich soll doch nicht immer so neutral sein. Ich bin doch kein Gegenstand.

Tagebuch: 27.12.18

Entgegen meiner Befürchtungen habe ich mich in der letzten Woche schon fast sensationell erholt. Quasi alle Nebenwirkungen sind langsam abgeklungen. Keine gereizten Schleimhäute, Verdauung ok, Hunger gut, wieder 2kg zugenommen, Schlaf auch besser. Weihnachten war tatsächlich eines der schönsten der letzten Jahre. Stimmt schon, durch solch einschneidende Ereignisse weiß man plötzlich gerade die einfachen, banalen Dinge mehr zu schätzen. Erstmal Facebook von allen Mobilgeräten gelöscht. Zurück zu einfachen Sachen. Ein Buch lesen, Blog schreiben. Werde weich. Fühlt sich aber richtig an.

Während ich hier schreibe und dabei immernoch Weihnachtslieder höre um den unglaublich nervigen Patienten im Behandlungszimmer auszublenden, der zum fünften Mal allen anderen Patienten, Schwestern und Ärzten von seinem neuen Motorrad erzählt, das er ja so günstig ergattert hat, währenddessen läuft bereits die nächste Ladung Chemo und der zweite Zyklus BEACOPPesk beginnt. Spätestens heute Abend bin ich wieder total platt für die nächsten zehn Tage. Aber immerhin mit der Gewissheit, dass nach dem Tief wieder ein Hoch kommt. Vielleicht gehe ich sogar nochmal in den Wald später. Einfache Dinge.

Tagebuch: 21.12.18

Zwinge mich zur Weihnachtsstimmung, was mit viel Gedudel im Radio und kiloweise Kokoksmakronen erstaunlich gut klappt. Nebenwirkungen vom ersten Zyklus werden weniger, nehme in der dritten Woche ja nur noch alles möglichen gegen Bakterien, Viren und Pilze. Kopf wird etwas ruhiger ohne Cortison, dafür setzen aber wieder Schmerzen hier und da ein. Hinnehmbar, alles auf einmal geht halt nicht. Immerhin tut die Neulasta-Spritze was sie soll und meine Leukoyzten sind von 350 auf 22.000 geschossen. Kann also wie geplant weitergehen nächste Woche. Bis dahin ist eigentlich nur möglichst viel essen geplant, da kommen mir die Feiertage ganz gelegen.

Tagebuch: 18.12.18

Heute relativ gut und fit gefühlt. Aber Knochenschmerzen wie ein alten Mann. Leukozyten immerhin wieder bei 5000. Langer Spaziergang hat gut getan und das sonnige Wetter hebt die Stimmung.