Tagebuch: 18.12.18

Heute relativ gut und fit gefühlt. Aber Knochenschmerzen wie ein alten Mann. Leukozyten immerhin wieder bei 5000. Langer Spaziergang hat gut getan und das sonnige Wetter hebt die Stimmung.

Tagebuch: 16.12.18

Erster Schnee das Jahres. Ohrensausen beim Aufstehen. Den ganzen Tag bei der Familie verbracht, Rouladen, Nudeln, Plätzchen, viel Tee. Schaffe 3 Liter am Tag. Zudem leichte Knochenschmerzen durch die Filgrastrim-Spritze, die die Bildung neuer Leukozyten anregt. Eigne mir zunehmend ganz gutes Fachwissen an. Könnte ich aber auch drauf verzichten.

Tagebuch: 15.12.2018

Zwei Wochen rumgebracht. Nicht viel angesichts kommender Herausforderungen, aber irgendwie, von Tag zu Tag, gehts es weiter. Habe gerade in den ersten Nächten unter Einfluss der Chemotherapie viel Verrücktes geträumt. Von Chinesen und einem Hotel und Karl Lagerfeld, der jetzt Onkologe ist und mir bescheinigt, wieder ganz gesund zu werden. Aber das scheint wohl so zu sein. Immerhin schlafe ich ganz ok, wenn auch meist nur im Takt von 2 Stunden. 90mg Prednisolon am Tag knallen einfach ohne Ende und machen mich unruhig und depressiv.

Komme gerade von einem Spaziergang und fühle mich recht gut. Die Lethargie und das Nichtstun sind für mich größere Belastungen als die physischen Nebenwirkungen glaube ich. Ablenkung ist alles und ich versuche in kleinen Etappen kleine Projekte umzusetzen. So haben wir angefangen, das Esszimmer zu streichen. Schaffe eine viertel Wand und lege mich dann eine Stunde hin. Bin zufrieden mit dem Schnitt.

Bin noch gar nicht sicher wie es hier mit den Texten weitergeht. Schwanke zwischen vollständiger Löschung und detailliertem Tagebuch mit Hintergrundinfos, Tips und wirren Anekdoten. Vielleicht auch ein Mittelding.

Tagebuch: 07.12.18

Morgens Magenstechen. Unruhig geschlafen, wie gerädert aufgewacht. Wieder ins Krankenhaus, Chemo, wieder heim. Unterhalte mich mit einem anderen Patienten, anstrengend aber interessant. Kann nicht einordnen ob er Ahnung hat oder so tut. Allerdings kommen Professor und Oberarzt direkt zu ihm und alle fachsimpeln über Blutwerte und komplizierte Transfusionen. Also wohl eher ein Kollege. Er erzählt von Italien und München und das das eigentlich schlimme ist, das Rauchen aufzuhören, nicht, damit anzufangen. Schwindelig nehme ich einen Schluck Wasser und nicke. Er hat deutlich mehr Beutel angeschlossen als ich, und auch die Ärzte klingen ernster bei ihm. Redet aber viel und munter, was mich gleichzeitig nervt und aufbaut. Die letzten Tage hätte er sich schon mal überlegt, einfach Schluss zu machen. Ich sage, ich auch. Aber es geht halt mal so, mal so.

Dazu Probleme mit den Ohren. Höre mich selbst oft beim Atmen und Sprechen. Autophonie. Belüftungsstörung der eustachischen Röhre. Können tausend Sachen sein, auf jeden Fall kommt es durch die Chemo öfter. Sammle jetzt seltene Erkrankungen.

Erstmal etwas an die frische Luft.

Tagebuch, 06.12.18

In der ersten Nacht ganz gut geschlafen. Früh schnell was kleines gegessen und als der Taxifahrer klingelt, hastig die zum Glück schon gestern sortierten Medikamente für den Tag eingeworfen. Wie eine Handvoll bunter Gummibärchen. Viel Verkehr nach Erlangen, brauche fast 45 Minuten. Werde aber zügig versorgt. Nur ein Beutel, dazu Spülung. Bin vor 11 Uhr fertig und fahre wieder nach Hause. Körper geht, Kopf schwimmt. Kann mich für nichts begeistern. Das miese Wetter tut sein übriges.

Hunger geht, Geschmack lässt aber nach. Fernsehen und Radio in jedem Zimmer lenkt mich etwas ab von der Erschöpfung. Ein paar kleine Besorgungen. Brauche jetzt weiche Zahnbürsten und Mundschutz.

Tagebuch: 05.12.18

Hektik am morgen. Kurzerhand noch einmal zur Kryokonservierung um 8 Uhr. Sehe hier immer wieder junge Männer mit verunsicherten Gesichtern. Viele Geschichten, Schicksalsschläge. Ich erledige was zu tun ist und gehe direkt in die Ambulanz für den ersten Infusionstag. Auf dem Weg dahin noch eine Telefonkarte für WLAN besorgt. 1€ pro Tag, ganz in Ordnung aber organisatorisch zu umständlich. Karte an der Anmeldung holen, Karte aufladen, Service buchen. Aber erstmal eingerichtet funktioniert immerhin alles.

Bekomme 3 Beutel Chemo und dazu Schutz für Blase und viel NaCl- Lösung zum spülen. Geht zügig voran, werde um 10 angestochen und bin um 14 Uhr fertig. Bin etwas benommen und abgeschlagen. Alles was ich eingenommen habe, beginnt langsam zu wirken. Olga holt mich ab und wir essen daheim recht früh zu abend. Beide platt vom Tag.

Noch viele Gedanken, bin aber zu schwach mich zu konzentrieren. Notizen helfen. Kurz ein paar Minuten raus, die kalte Luft des Waldes einsaugen.

Tagebuch: 04.12.18

Heute den ganzen Tag Regen, nur nachmittags klart es kurz auf. Bin soweit fit aber etwas benebelt, was aber nicht groß stört. Habe eh nicht viel zu tun außer ein paar Telefonate. Versuche mich so gut es geht durch Hausarbeit abzulenken, was auch funktioniert und den Vorteil hat, dass es aussieht wie geleckt. Stunden damit verbracht, das BlackBerry aus der Arbeit zu aktualisieren. Lächerlich umständlich. Verstehe gar nicht, wer solche Geräte freiwillig benutzt.

Etwas Post verschickt, ein paar Rahmen im Büro deponiert. Ungewiss wie es da weitergeht. Herrliche Lage, ein wunderbar freies Arbeitsgefühl. Aber jetzt erstmal wieder gesund werden. Schon mal alles gepackt, morgen bekomme ich einen vollständigen Therapie- und Medikationsplan. Mit was man sich alles auseinandersetzen muss. Gewöhnungsbedürftig aber machbar schätze ich.

Tagebuch: 03.12.18

Aktuell nehme ich 40mg Kortison täglich, dazu Pantoprozol als Magenschutz. Vorbereitung auf die Therapie. Beginn ist übermorgen, also am Mittwoch. das Dexamethason alleine hilft schon sehr gut. Keine Schmerzen, kein Husten, kein Zwicken oder Zwacken. Dafür bin ich recht aufgekratzt und habe ab und zu Schluckauf. Außerdem geht es langfristig auf Muskeln und Knochen. Aber in Anbetracht der Situation ist das das geringere Übel. Ohne Behandlung würde ich wohl einfach irgendwann sterben. Das sagt man sich auch nicht alle Tage.

Haben heue mit Günter Matratzen im Ikea getauscht. Je zwei einzelne, eine mittelhart, eine hart, gegen eine große mittelharte. Nachdem ich einiges an Gewicht verloren habe, schlafe ich auf einer weicheren Matratze wieder besser. Zudem sind jegliche Varianten an Toppern und T-Stücken zum Verbinden zweier getrennter Matratzen einfach nutzlos.
Gab und gibt noch einige Dinge zu organisieren. Arbeit, Büro, Krankenkasse, Familie. Aber bin ganz gut aufgestellt und zuversichtlich. Immerhin laut Arzt eine Heilungschance von 90%. Ziemlich gut für Krebs.