Tagebuch: 30.08.19 – Notizen aus der Reha II

Mache hier ziemlich viel Sport, was gut tut. Ich werde spürbar fitter. Gewichte werden mehr, Wanderungen länger. Das  Training für alle beginnt üblicherweise mit ein paar Minuten auf dem Ergometer, etwa zwei mal fünf oder zwei mal fünfzehn Minuten. Dabei wird in Abständen der Puls kontrolliert und im Trainingsbuch vermerkt. Vor ein paar Tagen fährt am Gerät neben mir eine Frau um die 50. Sie pausiert nach einiger Zeit, um ihren Puls aufzuschreiben. So scheint zumindest der Plan, denn sie hat ihr Trainingsbuch vergessen. Kurzerhand leiht sie sich vom Hintermann den Kuli, zückt eine Schachtel Marlboro aus ihrer Tasche und notiert sich den Puls einfach darauf. Das ganze hat sich dann ein paar Mal wiederholt und ich war fasziniert. If it’s stupid but it works, it’s not stupid.

“Pfui Deibel!”, raunzt mich der langhaarige, bemützte, ganz in schwarz gekleidete und in seinen Sandalen mit natürlich schwarzen Socken etwas behäbig und leicht gebückt gehende Berufsalkoholiker an, als ich abends in der Cafeteria ein alkoholfreies Helles bestelle. Ich sehe ihn hier jeden Tag wie er von 18 bis 21 Uhr mit gleichbleibend hoher Schlagzahl Weizen presst und frage mich, ob die Betankung in seinem Trainingsplan steht oder ob er nicht sogar hier arbeitet, so als Unterhalter. “A kastriert’s Karmeliten, Pfui Deibel!”

Apropos Unterhaltung: Alleinunterhalter Hans-Georg sorgte letzten Sonntag für Stimmung und in besagter Cafeteria wankten unsicher aber rhythmisch ältere Herren in Adiletten über den Fliesenboden. Dazu Damen fortgeschrittenen Alters, die ihre mutmaßlich extra im Kleidersack verpackten, aber dennoch angestaubten weil jahrelang nicht getragenen Abendroben zur Schau tragen. Ich nehme einen tiefen Zug des in der Luft liegenden Tosca-Nebels und einen Schluck vom Karmeliten (!) und freue mich, wie sympathisch normal das hier alles ist.

Allzeit bereit

Tagebuch: 28.08.19 – Notizen aus der Reha I

Ich nehme mittags und abends gerne reichlich Salat von der Salatbar. Mir ist aufgefallen, dass ich den Blumenkohl immer als letztes esse. Ein eingelegtes Gemüse mit derart anmutigen bernoullischen Formenschwüngen hat etwas zusätzliche Verweildauer auf meinem kleinen Salatteller verdient, nehme ich an.

Wo ich gerade bei Salat bin, selbigen gab es (wohl aufgrund Knappheit am Wochenende) an einem Samstag mittag ausnahmsweise nicht wie gewohnt zum Hauptgericht dazu. Die Menge wurde spürbar unruhig und ich glaub es flogen auch einige Krücken in Richtung des Personals.

Vortrag zum Thema “Selbstheilungskräfte” (!) (Heißt hier Seminar, damit sich nicht direkt alle wieder abmelden nehme ich an). Der durchaus sympathische Chefarzt fragt in die Runde: “Na, wer von den hier Anwesenden sagt sich schon mal selbst ab und an: ‘Ich liebe dich!’, seien Sie ehrlich.” Antwort aufs dem Off der hinteren Reihen: “KEINER!”

Wird noch besser.

Tagebuch: 23.08.19

Der Sommer ist fast rum. Chefarzt und ich sind uns einig, meine Reha um 3 Tage zu verkürzen, weil ich schon wieder “zu gesund” bin. Was mir ganz gelegen kommt. Mein Programm hier ist so vielfältig wie die Leute. Nordic Walking, Physio, Atemübungen, Qi Gong, Ernährungsberatung. Von sehr interessant und bereichernd bis überflüssig. Eben wie die Leute. Von Schnösel bis Vollassi alles dabei. Krank und zum Glück auch wieder gesund wird halt jeder mal.

Habe aber auch viel Zeit für mich, die ich zum Wandern, Radeln, Fotografieren und für Akquise nutzen kann. Tatsächlich kommt bereits jetzt überraschend gutes Feedback. Was noch nichts heißen mag, aber es ist ein Anfang. Aber zurück zur Reha. Das mitgebrachte Rennrad war wohl ein leichter Anflug von Übermotivation. Die Gegend hier ist ziemlich herausfordernd. Auf der Straße in die Stadt runter geht es plan aber abschüssig, was den Rückweg zur Herausforderung macht. Die Waldwege hinterm Haus wiederum sind im Gegensatz dazu unbefestigt, steinig und matschig. Und natürlich genauso steil. Toll zum laufen mit dem Rennrad über der Schulter. Naja. Lege ich mich lieber raus in die Sonne. Und um 17.30 Uhr gibt’s schon wieder Abendbrot.

Tagebuch: 20.08.19

Reha läuft soweit. Die ruhig gelegene, etwas in die Jahre gekommene Anlage bietet ein ganz gutes Programm, ich mache viel Gerätetraining, Wander- und Radtouren. Letzteres ist mit dem Renncrosser leider nur bedingt möglich, da wir hier auf dem höchsten Punkt weit und breit liegen. Alle Strecken sind steil und unwegsam. Werde aber diese Woche mal ein E-Mountainbike ausleihen. Auch das Essen ist ziemlich gut. Kommt natürlich auf die eigenen Ansprüche an. Ich finde es durchaus ok. Allerdings gab es vorgestern keine Salatbar zum Mittagessen, die graue, wackelige Menge tobte.

Übrigens war das CT vor 3 Wochen gut und ich bin gesund. Puff. So einfach.

Tagebuch: 13.08.19

Erster Tag der Reha. Werde schätzungsweise die nächsten Abende viel Zeit haben, nach dem Essen gegen 18 Uhr ist hier im Dreiländereck nicht viel los und es gilt, sich selbst zu bespaßen. Kein Problem – eine top Gelegenheit, die vergangenen Monate zu verschriftlichen und aus der stetig wachsenden Menge an Bildern mal wieder etwas zu bloggen. Bis morgen also.

PS:Im Rahmen des Umzugs zu All-Inkl sind die letzten drei Einträge abhanden gekommen (habe kein ganz aktuelles SQL-Backup eingespielt). Daher hier der Vollständigkeit halber einfach angehängt:

 

 

 

 

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Tagebuch: 18.07.19

Ja, wie geht’s mir denn? Ganz gut aktuell kann ich sagen. Die letzte Bestrahlung ist nun schon 6 Wochen her. So richtig weiß momentan niemand, ob ich bereits vollständig gesund bin (aka. in “Vollremission”), denn die nächste CT steht erst in 2 Wochen an. Laut Arztbrief aber als “Nachsorge”, was natürlich ordentlich Rückenwind gibt. Diese lange Zeit von etwa 8 Wochen wird abgewartet, da vor allem die Bestrahlung noch sehr lange im Körper nachwirkt und allerlei Um- und Abbauprozesse im Gange sind, die zum jetzigen Zeitpunkt eine Bildgebung verfälschen würden. Dieses Gewurschtel (optisch nahe am Mind Flayer aus Stranger Things) spüre ich auch ab und an von Brust bis Rachen, etwa durch Halskratzen oder einen “heißen Atem”, wie man ihn bei ‘ner Erkältung hat.

Immerhin schaffe ich schon gut 20km auf dem Rennrad. Knödelig und kunterbunt düse ich durch den Reichswald hinterm Tiergarten und kann schon fast mit den Omis auf ihren E-Bikes mithalten. Bin ganz begeistert ob meiner neu gefundenen Sportivität und Olga und ich feiern mit regelmäßigen Besuchen bei wahlweise Angelo Eis oder Luisa’s Eissalon.

Fotojobs werden konstant mehr und bin tatsächlich schon wieder auf Trello angewiesen, um den Überblick zu behalten. Was natürlich toll ist. Auch ein tolles neues Studio/Atelier/Galerieraum ist in Aussicht hier im Süden der Stadt. Zusammen mit Anika plane ich, endlich wieder Fototreffs abzuhalten und Workshops zu planen. Ausserdem könnten Olga und ich endlich eine Galerie für zeitgenössische Fotografie in Nürnberg gründen, was großartig und auch überfällig wäre. Nürnberg bzw. Franken ist hinsichtlich Fotografie einfach richtig scheisse aufgestellt, muss man so sagen.

Und zur Krönung haben wir gestern das Bachelorette-Opening mit super gutenFreunden gefeiert.

Tagebuch: 10.07.19

Heute wieder Gelbe Säcke runtergebracht. Daran merkt man, wie schnell das Jahr vergeht. “Abfuhrplan Gelber Sack 2017 — 2019”. Einfach mal in größeren Dimensionen denken.

Tagebuch: 08.07.19

Habe beschlossen, wieder mehr zu schreiben hier. Wie etwa diesen Eintrag. Neues folgt in Kürze.

Tagebuch: 04.06.19

Habe die vergangenen Tage Chernobyl auf Sky geguckt und seitdem irgendwie ein mulmiges Gefühl bei den Bestrahlungsterminen. Sind aber zum Glück nur noch drei.

Tagebuch: 30.05.19

Heute geträumt: Auf Geburtstagsfeier des Schwagers. Ich hab vergessen, was wir ihm schenken. Und daheim vergessen haben wir’s auch. Zusammen mit den Schaschlikspießen und der Logitech M500 Maus für den Schwiegervater, die ich extra bestellt hatte. Also beschließe ich schnell zu Fuß zu gehen und die Sachen zu holen. Dazu muss ich den ganzen Berg runter laufen. Unten angekommen stehe ich vor dem Rathaus, wo sich einige Leute mit Bürgermeister Michi unterhalten. Michi wünscht mir viel Erfolg für’s Krankenhaus. Danach bin ich bei einer russischen Ärztin, die mir ganz passable Blutwerte bescheinigt. Um die wiederum weiter so gut zu halten, soll ich regelmäßig Rosmarin zu mir nehmen. Tja.

Tagebuch: 26.05.19

Tatsache, zwei Wochen ist der letzte Eintrag schon her. Verärgerte Leser machen ihrem Unmut Luft. Naja, so schlimm nicht ganz. Aber ja, hab’s schleifen lassen. Muss auch mal sein. Was gibt es Neues?

Bestrahlung hat begonnen, bereits eine von insgesamt drei Wochen sind geschafft. Nebenwirkungen bis jetzt keine. Bin nur hier und da etwas hüstelig, was Olga sehr nervt aber sonst nicht weiter stört. Also mich. Wir sind viel bei Familie und Freunden und genießen das Wetter bei Pizza, Gemüsepfanne, etwas, das sich Kumpir nennt bei Julia in Regensburg und viel Kaffee und Kuchen.

Durchaus erwähnenswert ist der tägliche Ablauf der Bestrahlung. Gleichermaßen beruhigend und angsteinflößend. Zunächst einmal schon skurril und zugleich praktisch: Patienten bekommen eine Chipkarte und melden sich am Terminal des Infoschalters an und ab wenn sie kommen und gehen. “Kommen sie gut nach Hause”, ertönt eine Computerstimme beim Abmelden und erinnert mich daran, dass der Fahrer den Caddy gleich wieder ohne Rücksicht auf Verluste und wie ein Gejagter über die A3 peitschen wird, während ich mir die Ironie ausmale, ganz wunderbar vom Lymphom geheilt zu sein, nur um dann bei Nürnberg-Nord irgendwo am Baum zu kleben. Aber praktisch ist das System, das auch unweigerlich an eine Stechuhr im Werk oder im Büro erinnert, durchaus.

Erfreulicherweise funktioniert das digitale Patientenhandling auch ganz ausgezeichnet, bis jetzt musste ich höchstens 10 Minuten in Wartebereich B warten, bevor ich aufgerufen wurde. In einer der vier Kabinen lege ich mein Zeug wie Schlüssel, Handy, Foto ab und nehme Handtuch und Terminplan-Heftchen aus der Tasche. Oberkörper frei und ohne Schuhe folge ich dann der überraschend attraktiven Assistentin durch einen kurzen Gang. Es riecht nach Eukalyptus und Lavendel und leise Harfenklänge liegen in der Luft. Ich komme mir tatsächlich vor wie im Spa und laufe also besagten Gang entlang, halbnackt mit Handtuch über der Schulter und freue mich auf den nächsten Aufguss. Dieser entpuppt sich leider als überdimensionaler Linearbeschleuniger und ich bin etwas enttäuscht. Aber auch schön, denke ich mir, und lege schon mal mein Handtuch auf die Liege, bereit zur Teilchen-Massage. Nachdem die hübsche Helferin und ihre durchschnittlichen Kolleginnen mich etwas exakter positioniert haben, wird per Laser ein Netz auf meinen Oberkörper geworfen und der Computer übernimmt. Alle verlassen hastig den Raum, daran merke ich, dass es gleich losgeht.

In einem kurzen Scan wird (so schätze ich mal) meine Lage exakt erfasst und die erforderlichen Bewegungen des Kopfes des LINAC (engl. linear accelerator) errechnet, bevor dieser einmal über meiner Brust im Halbkreis um mich herum und wieder zurück fährt und dabei Geräusche macht wie Skrillex feat. GLaDOS aus Portal 2. Interessanterweise werde ich nicht nur in 3 (x, y, z), sondern in 4 (t [Zeit]) Dimensionen bestrahlt, da sich die Lage des Tumors ja mit meiner Atembewegung ständig ändert und der Strahlengang bzw. dessen Intensität somit quasi live moduliert werden muss. Good times of our lives.

Tja, und nach sage und schreibe 2 Minuten ist die Session vorbei. Anziehen, neuer Termin für den nächsten Tag, ausloggen (“gut nach Hause!”), rein in Mahmuts weißes Geschoss und ab auf die Autobahn. Die Fahren sind hier tatsächlich das Längste und nach insgesamt einer Stunde bin ich wieder zuhause und kann endlich diesen Eintrag schreiben, bevor ich mich über die Reste des Kuchens hermache.

Tagebuch: 09.05.19

Termine Termine.

Tagebuch: 05.05.19

Richtig schönes Wochenende gehabt.

Motivation für die kommende Woche!

Tagebuch: 04.05.19

Ja, habs ein paar Tage schleifen lassen. Hier und da schleicht sich der Alltag wieder ein, was wohl ein gutes Zeichen ist. Letzten Montag nach erfreulich kurzer Wartezeit ein ausführliches Vorgespräch in der Strahlenklinik in Erlangen. Geplant sind 30 Gray Strahlungsdosis gesamt, verteilt auf 3 Wochen à 5 Werktage. Ergo 2 Gy täglich. Klingt viel, allerdings dauert die eigentliche Bestrahlung nur 2 Minuten. Dadurch wäre ich gegen 10 Uhr vormittags schon wieder daheim, was super praktisch wäre, denn da stehen die ganzen faulen Studenten gerade mal langsam auf. Nebenwirkungen muss man mal abwarten, ich berichte. Übelkeit, Hautreizungen, Schluckbeschwerden und sowas. Mögliche Spätfolgen Schädigung von Herz, Lunge, Knochen. Wuff. Muss man leider in Kauf nehmen und das beste draus machen. Sagt sich leicht, aber tatsächlich muss man einfach durch.

Nächste Woche werde ich vermessen und gescannt, im Anschluss wird für die Therapie eine individuell angepasste Brustplatte gefertigt, die die Röntgenstrahlung gezielt nur an der gewünschten Stelle auf dem Torso durchlässt. Meine eigene Endgame-Armour sozusagen. Bilder folgen sobald ich es hinbekomme.

Sonst geht es mir soweit ausgezeichnet, ich bin quasi beschwerdefrei. Natürlich noch recht kraftlos und ausdauerschwach, nach jeder Radtour bin ich platt. Langsamer Aufbau ist angesagt. Hier und da zwickt und zwackt alles mal. Viel vernarbtes Gewebe jetzt dort drinnen, welches der Körper jetzt langsam abbauen muss. Außerdem wächst mein Bart schon wieder recht kräftig. Hellweiß. Aber immerhin seh’ ich nicht mehr aus wie ein Nazi, sondern wie ein White-Walker-Nazi. Es geht also bergauf.

Die letzten Tage haben wir viel mit Familien und Freunden gemacht, was wunderbar viel Kraft gibt. Olga möchte auch etwas ins Fotografieren reinschnuppern, weswegen wir eine kleine APS-C-Canon besorgt haben. Bis auf den kleineren Sensor schon brutal, was die mittlerweile können. 24MP, Klapp-Touch-AF-Display, WLAN, NFC, Dual Sim, Apple Pay, CAN Bus und Glasfaser glaube ich. Auf jeden Fall quasi alles was man braucht und irgendwann mal brauchen könnte.

Ich war weiterhin fleißig und die neue Website ist quasi fertig, minimales Feintuning fehlt noch. Danach erstmal die Werbetrommel rühren.

Heute und morgen ist aber erstmal wieder Familie angesagt. Zwei  Geburtstage. Essen, Essen, Essen.

Rohbau von Andreas’ und Irinas Haus.

Zum Frittenkalle

Die Tage werden wieder länger. Viel Sonne und viel zu tun. Allerdings waren die letzten Monate ein ganz guter Reminder, sich auch mal eine Auszeit zu genehmigen, um mal durchzuatmen. Passend dazu hier ein Satz neue Bilder, Februar und März.

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Tagebuch: 24.04.19

Haben den ganzen Vormittag den Dachboden von Oma ausgeräumt. Originalverpackte Kaffeemaschinen aus 3 Jahrzehnten. Mannshohe Skulpturen aus Umzugskartons und Verpackungen. Avantgardistische Mobile und Traumfänger aus ineinander verhakten Bügeln aller Art. Zwei Zylinder, einer faltbar.

Tagebuch: 23.04.19

Alles bestens, viel zu tun. Freitag Besprechung Befund PET-CT in der Med5, Montag darauf Vorbesprechung in der Strahlenklinik. Heute Regale an die Wand gebohrt. Neue Steinbohrer zerlöchern die bröckeligen Altbauwände sauber und gerade.

Werde das Gefühl nicht los, dass mit der Olympus mju II etwas nicht stimmt.

Tagebuch: 20.04.19

Erste Eindrücke aus der Plaubel Makina 67. Ausgezeichnet und auf Augenhöhe mit der Mamiya 7. Formschöner allemal.